Oslo (AFP) — Vertreter aus mehr als hundert Staaten haben mit der Unterzeichnung eines internationalen Streubomben-Verbots begonnen. Auch Deutschland gehört zu den Ländern, die sich bei dem zweitägigen Treffen in der norwegischen Hauptstadt Oslo dazu verpflichten wollen, künftig auf Gebrauch, Herstellung, Lagerung und Transport von Streumunition zu verzichten. Die wichtigsten Herstellerländer von Streubomben waren nicht dabei.
Als erstes Land besiegelte Gastgeber Norwegen im Rathaus von Oslo das Abkommen. Ministerpräsident Jens Stoltenberg sagte, der Vertrag vereine die Staaten in einer "moralischen Verpflichtung". Zu den weiteren Unterzeichnern zählen unter anderem Frankreich, Großbritannien, Japan, Kanada, Laos und Australien. Durch die Konvention werde die Welt zu einem "sichereren Ort", sagte Richard Moyes vom Anti-Streubomben-Bündnisses CMC.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und sein britischer Kollege David Miliband schrieben in einem Beitrag für die "Frankfurter Rundschau", das Streubomben-Verbot werde vor allem Zivilisten helfen. Sie forderten weitere Initiativen, um die Verbreitung gefährlicher Waffen zu verhindern. "Abrüstung und Rüstungskontrolle gehören ganz oben auf die internationale Agenda", hieß es in dem Beitrag.
Die Reichweite des Streubomben-Verbots ist jedoch begrenzt, da die wichtigsten Herstellerländer das Abkommen ablehnen. Neben den USA und Russland blieben auch China, Israel, Indien und Pakistan dem Treffen in Oslo fern. Die Unterstützer des Vertrags hoffen aber auf einen Sinneswandel in Washington, sobald Barack Obama als US-Präsident vereidigt wird. Afghanistan, das sich eigentlich gegen den Vertrag ausgesprochen hatte, kündigte überraschend an, das Abkommen auch zu unterzeichnen. Auf das Land hatten die USA 2001 und 2002 zehntausende Streubomben abgeworfen.
Streubomben zählen zu den gefährlichsten Waffenarten der Welt: Sie enthalten eine Vielzahl kleinerer Bomben, die sich in der Luft über einer riesigen Fläche ausbreiten. Blindgänger bleiben noch Jahrzehnte nach Ende eines Konflikts eine Gefahr für die Menschen. Seit dem Beginn des Einsatzes von Streumunition wurden laut Schätzungen von Hilfsorganisationen rund 100.000 Menschen durch diese Waffenart getötet oder verstümmelt. Jedes vierte Opfer ist demnach ein Kind.
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