Deutscher wegen Djerba-Anschlags in Paris vor Gericht

Paris (AFP) — In Paris hat der Prozess gegen die mutmaßlichen Hintermänner des tödlichen Anschlags auf der tunesischen Ferieninsel Djerba vor knapp sieben Jahren begonnen. Der deutsche Angeklagte Christian G. warf Frankreich einen unfairen Prozess vor und ließ über seinen Anwalt die Einstellung des Verfahrens gegen sich beantragen. Bei dem Anschlag von Djerba hatte ein Selbstmordattentäter im April 2002 vor einer Synagoge einen Lastwagen mit Gastank in die Luft gesprengt. 21 Menschen starben, unter ihnen 14 deutsche Urlauber.

Dem zum Islam übergetretenen G. wird vorgeworfen, dem Attentäter telefonisch seinen "Segen" für die Bluttat gegeben zu haben. Zu dem Anschlag hatte sich kurz darauf das Terrornetzwerk El Kaida bekannt.

Neben dem 42 Jahre alten G. sind der Bruder des Attentäters und der aus Pakistan stammenden Kuwaiter Khalid Sheikh Mohammed angeklagt, der als Kopf der Anschläge vom 11. September 2001 gilt. Der Bruder soll dem Attentäter Nisar Nawar ein Satellitentelefon besorgt haben, mit dem er G. und Sheikh Mohammed angerufen haben soll. Gegen Sheikh Mohammed wird in Abwesenheit verhandelt; er ist im US-Gegangenenlager Guantanamo in Haft. Allen drei wird Beihilfe zum Mord und zum versuchten Mord sowie die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Ihnen droht lebenslange Haft.

Christian G. sei schon wenige Tage nach seiner Festnahme im Juni 2003 durch den heutigen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy vorverurteilt worden, sagte Anwalt Sébastien Bono. Als Innenminister habe Sarkozy damals "ohne Vorbehalt und ohne Zweifel" vor dem Parlament gesagt, die Geheimdienste wüssten, dass G. ein "hochrangiges El-Kaida-Mitglied" sei. Damit gebe es für seinen Mandanten keine Unschuldsvermutung mehr, sagte Bono.

G. selbst sagte vor Gericht, dass er "mit diesem Attentat niemals etwas zu tun hatte". Er beklagte, dass Unterlagen deutscher Behörden, etwa Zeugenaussagen gegenüber dem Bundeskriminalamt (BKA), gar nicht erst zu dem Verfahren zugelassen worden seien.

Direkt nach seiner Festnahme sei zudem "Druck" auf ihn bei den Verhören ausgeübt worden. Unter anderem sei ihm mit einer Auslieferung gedroht worden, sagte G., ohne ein konkretes Land dafür zu nennen.

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