Moskau — Nach 17 Jahren an der Spitze der buddhistischen russischen Republik Kalmückien will Kirsan Iljumschinow sich nur noch dem Schach widmen. "Meine vierte Amtszeit endet am 24. Oktober, und ich habe nicht die Absicht, eine fünfte anzutreten", sagte der 48-jährige Gouverneur, der nach eigenen Angaben einst von Außerirdischen entführt wurde, der Nachrichtenagentur Interfax. Stattdessen werde er sich ganz seinem Amt als Vorsitzender des Weltschachverbandes (FIDE) widmen, kündigte Iljumschinow an.
"Ich will weiter als FIDE-Präsident arbeiten und der Entwicklung des Schachspiels dienen", fügte Iljumschinow hinzu. Der 48-Jährige gilt als schachbesessen. Vor den Toren der staubigen kalmückischen Hauptstadt Elista ließ er einen riesigen Schachkomplex unter dem Namen "Chess City" errichten.
Um den FIDE-Vorsitz, den er seit 1995 innehat, liefert er sich derzeit einen erbitterten Machtkampf mit dem einstigen Schachweltmeister Anatoli Karpow. Die FIDE-Präsidentenwahl findet am 29. September in Chanty Mansijsk im Ural statt. Karpow hat eine großangelegte Kampagne für seine Wahl gestartet, in der er Iljumschinow als zu exzentrisch für den Chefposten darstellt.
Tatsächlich berichtet der Kalmücke in aller Ernsthaftigkeit, wie er einmal aus seiner schicken Moskauer Wohnung von Außerirdischen in deren UFO entführt wurde. Die extraterrestrischen Wesen trugen demnach gelbe Raumanzüge, ihr Raumschiff ähnelte einer durchsichtigen Röhre.
Der Verzicht Iljumschinows auf das Amt an der Spitze der bitterarmen kleinen Republik im Süden Russlands entspricht den Bemühungen des Kreml unter Präsident Dmitri Medwedew, jahrzehntelang amtierende regionale und lokale Größen zum Abtritt zu bewegen. Eines der letzten politischen Schwergewichte aus Sowjetzeiten ist der Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow, der im Sommer wegen seiner Tatenlosigkeit angesichts verheerenden Smogs in der russischen Hauptstadt bereits von Medwedew und Ministerpräsident Wladimir Putin ins Visier genommen wurde.
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