Bagram (AFP) — Bei seinem Abschiedsbesuch im Irak ist US-Präsident George W. Bush von einem irakischen Journalisten mit zwei Schuhen beworfen worden. "Dies ist dein Abschiedskuss, du Hund", rief der TV-Journalist Muntaser el Saidi bei einer Pressekonferenz Bushs mit dem irakischen Regierungschef Nuri el Maliki. Im Arabischen ist die Beschimpfung als "Hund" eine starke Beleidigung. In Bagdad gingen hunderte Menschen aus Solidarität mit dem festgenommenen Journalisten auf die Straße.
Bush nahm den Zwischenfall bei der Presskonferenz in Bagdad mit Humor: "Wenn Sie die Fakten wissen wollen: Es war ein Schuh der Größe 10 (deutsche Größe 44)", sagte der US-Präsident, nachdem der Journalist abgeführt worden war.
Mit seinem Schuhwurf auf Bush wurde el Saidi im Irak zur Berühmtheit. Die Bewegung des radikalen Schiitenpredigers Moktada Sadr lobte die "spontane Aktion eines irakischen Bürgers, der seine Unzufriedenheit gezeigt hat". Im Bagdader Stadtteil Sadr City gingen hunderte Menschen auf die Straße und drohten Bush mit weiteren Schuhwürfen. Auf zwei vorbeikommende Fahrzeuge der US-Armee prasselten reihenweise Schuhe nieder.
Eine Hilfsorganisation unter Vorsitz der Tochter des libyschen Staatsführers Muammar Gaddafi will dem Journalisten den "Orden für Mut" verleihen. Wie die Organisation Waatassimu mitteilte, ordnete ihre Generalsekretärin Aischa Gaddafi die Ehrung an. Der Journalist habe sich "klar gegen die Verletzung der Menschenrechte" gestellt und dies deutlich gemacht, indem er seine Schuhe auf Bush geschleudert habe, hieß es zur Begründung.
Die irakische Regierung verurteilte die Attacke als "schändlichen Akt" und forderte Saidis Arbeitgeber, den Privatsender El Bagdadia, zu einer Entschuldigung auf. Die Verwantwortlichen des Senders verlangten von den Behörden dagegen die sofortige Freilassung Saidis und beriefen sich dabei auf die "Demokratie und Meinungsfreiheit, die die US-Regierung dem irakischen Volk versprochen hat".
Gemeinsam mit Regierungschef el Maliki unterzeichnete Bush noch einmal symbolisch das kürzlich vereinbarte Sicherheitsabkommen. Der Krieg im Irak sei noch nicht vorbei, aber der Sieg sei nah, sagte der US-Präsident. Es war bereits Bushs vierter Besuch im Irak. Der Republikaner gibt sein Amt am 20. Januar an den Demokraten Barack Obama ab.
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