Grönländer stimmen klar für größere Autonomie von Dänemark

Nuuk (AFP) — In Grönland haben sich die Bewohner in einem Referendum klar für eine größere Autonomie von Dänemark ausgesprochen. Wie die Regierung der größten Insel der Welt mitteilte, votierten rund 75 Prozent der Wähler für mehr Eigenständigkeit. Damit wurde ein Autonomiegesetz angenommen, das eine erweiterte Selbstverwaltung vorsieht und der Insel ein Eigentumsrecht an den Naturschätzen einräumt. Zudem werden die Grönländer als eigenes Volk und Grönländisch als Landessprache anerkannt. Ministerpräsident Hans Enoksen erklärte, dies sei ein Mandat, um weiter Richtung Unabhängigkeit zu gehen. Die dänische Regierung begrüßte das Ergebnis.

Das neue Gesetz soll am 21. Juni nächsten Jahres in Kraft treten. Enoksen dankte in einer emotionalen Fernsehansprache, "den Menschen in Grönland für dieses überwältigende Ergebnis".

Der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen sagte, "der Vorschlag eines Selbstbestimmungsrechts von Grönland hat breite politische Unterstützung in Grönland und in Dänemark". Die hohe Wahlbeteiligung sei zu begrüßen. Rund 72 Prozent der 39.000 Wahlberechtigten beteiligten sich an dem Referendum. In der grönländischen Hauptstadt Nuuk feierten die Menschen das Ergebnis, bevor es überhaupt offiziell bekannt gegeben wurde, mit einem Feuerwerk. Umfragen hatten zuvor ein klares Ja prognostiziert.

Doch es gab auch kritische Stimmen. Bei einer so kleinen Bevölkerung, die unter extremen geografischen und klimatischen Bedingungen lebe, sei es unmöglich, die Kosten für einen modernen und unabhängigen Staat allein zu tragen, sagte Finn Lynge von der Siumut-Partei von Ministerpräsident Enoksen. Die dänische Regierung bezuschusste Grönland 2007 mit 432 Millionen Euro, das entspricht 30 Prozent des grönländischen Bruttoinlandsprodukts.

Vor der Küste Grönlands werden reiche Öl- und Gasvorkommen vermutet. Auch soll es Diamanten-, Gold- und andere Mineralvorkommen unter dem Eis geben. Das schmelzende Eis infolge des Klimawandels könnte es künftig leichter machen, an die Bodenschätze heranzukommen. Die Länder in der Nähe Grönlands - Kanada, Norwegen, Russland, die Vereinigten Staaten sowie Dänemark - wetteifern bereits um territoriale Ansprüche in der Region.

Die ehemalige Kolonie ist seit 1953 gleichberechtigter Teil Dänemarks. Seit 1979 besitzt Grönland den Status einer inneren Autonomie. Mit einer Fläche von 2,1 Millionen Quadratkilometern, von denen 80 Prozent mit Eis bedeckt sind, ist Grönland die größte Insel der Welt.

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