Schweiz impft Schwangere und Kinder nicht mit Pandemrix

Genf/Berlin — Anders als in Deutschland darf der wegen seiner Zusatzstoffe umstrittene Schweinegrippe-Impfstoff Pandemrix in der Schweiz nur beschränkt eingesetzt werden. Die Arznei-Zulassungsbehörde des Landes entschied, dass der Impfstoff nicht bei Schwangeren, Kindern unter 18 Jahren und Senioren über 60 angewandt werden darf. Weltweit wurden in nur einer Woche 700 neue Todesfälle durch die Schweinegrippe gezählt.

Die Schweizer Zulassungsbehörde Swissmedic erklärte zur Begründung für die Pandemrix-Einschränkungen, ihr lägen Daten zur Wirkung der Impfung auf Erwachsene vor, jedoch keine Forschungsergebnisse zu Schwangeren und sehr wenige zu Kindern. Der Impfstoff des britischen Pharmakonzerns GlaxoSmithKline ist umstritten, weil er verstärkende Zusätze und quecksilberhaltige Konservierungsstoffe enthält.

Als unbedenklicher stufte Swissmedic den Impfstoff Focetria des Schweizer Herstellers Novartis ein. Dieser könne sowohl Erwachsenen als auch Kindern über sechs Monaten verabreicht werden, teilte die Behörde mit. Bei Schwangeren solle der behandelnde Arzt Nutzen und Risiko einer Impfung abwägen.

In Deutschland soll die Bevölkerung hauptsächlich mit Pandemrix geimpft werden, vom dem die Länder insgesamt 50 Millionen Dosen bestellt haben. Das für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut betonte, Pandemrix sei in allen EU-Mitgliedstaaten "mit der Indikation zugelassen, die sich in den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) wiederfindet". Diese Indikation umfasse entsprechend den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auch jene Gruppen, die in der Schweiz von der Impfung mit Pandemrix ausgeschlossen seien.

Allerdings hat die Bundeswehr für ihre Soldaten den Impfstoff Celvapan bestellt, der als verträglicher gilt. Auch für die durch die Schweinegrippe als besonders gefährdet geltenden Schwangeren empfiehlt die Stiko einen Impfstoff ohne Wirkungsverstärker. Da dieser aber in Deutschland noch nicht für werdende Mütter verfügbar ist, wird eine individuelle Nutzen-Risiko-Analyse empfohlen. Ob noch Impfstoff ohne Zusatzstoffe nachbestellt werden kann, ist laut Thüringer Gesundheitsministerium noch offen.

Die WHO teilte in Genf mit, dass seit Ausbruch der Schweinegrippe im April mindestens 5700 Menschen am A (H1N1)-Virus gestorben seien. Binnen einer Woche sei die Zahl der Todesfälle weltweit um 700 angestiegen.