Suche Bilder Maps Play YouTube News Gmail Drive Mehr »
Webprotokoll | Anmelden
Unterlegener Kandidat erkennt Wahlergebnis im Iran nicht an

Teheran (AFP) — Im Iran bleibt die Lage auch nach der Entscheidung des mächtigen Wächterrats zum Ausgang der Präsidentschaftswahl gespannt. In der Nacht zum Mittwoch erklärte der unterlegene Kandidat Mehdi Karubi, er werde den Wahlsieg von Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad weiter nicht anerkennen. Nach Angaben der Polizei wurden bei den Unruhen nach der Wahl 20 Menschen getötet.

"Die Wahl ist nicht gültig und ich werde diese Regierung nicht als legitim anerkennen", erklärte der Reformpolitiker Karubi in einem offenen Brief auf seiner Website. Der Wächterrat hatte nach der Neuauszählung von zehn Prozent der Stimmzettel einstimmig entschieden, dass das Ergebnis der Präsidentschaftswahl vom 12. Juni rechtmäßig ist.

Er werde nicht zu einer Zeremonie zur Amtseinführung Ahmadinedschads erscheinen, erklärte Karubi. Demnach veröffentlichte der Politiker das Schreiben auf seiner Internetseite, weil die iranischen Behörden am Dienstagabend das Erscheinen seiner Zeitung "Etemad Melli" mit dem kritischen Brief verboten hatten.

Bei den Protesten nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl wurden im Iran nach amtlichen Angaben 20 Demonstranten getötet. 1032 weitere Demonstranten seien festgenommen worden, sagte Polizeichef Ismail Ahmadi Moghaddam der Nachrichtenagentur Fars. Die Mehrheit sei inzwischen wieder auf freiem Fuß, die anderen müssten sich vor öffentlichen Gerichten und Revolutionstribunalen verantworten. Bislang hatten die iranischen Behörden von 17 Todesopfern gesprochen.

Der britische Regierungschef Gordon Brown warf der Regierung in Teheran vor, Großbritannien die Schuld an den Protesten zuzuschieben. Brown kritisierte erneut die Ausweisung britischer Diplomaten sowie die Verhaftung von neun Mitarbeitern der britischen Botschaft in Teheran als "ungerechtfertigt und inakzeptabel". Teheran wirft Großbritannien vor, die Proteste gegen die Wahlergebnisse anzuheizen.

Nach Angaben des englischsprachigen iranischen Senders Press-TV befindet sich von den festgenommenen Botschaftsmitarbeitern noch einer in Haft. Fars berichtete hingegen von noch drei Festgenommenen. Den Botschaftsmitarbeitern wurde eine "bedeutende Rolle" bei den Unruhen nach der Präsidentschaftswahl am 12. Juni vorgeworfen. Die EU-Staaten erwägen nach Angaben aus Diplomatenkreisen, aus Protest gegen die Festnahmen geschlossen ihre Botschafter vorübergehend aus dem Iran abzuberufen.