Eltern verweigern in Hamburger "Ehrenmord"-Prozess Aussage

Hamburg (AFP) — Im Prozess um den sogenannten Ehrenmord an der 16-jährigen Deutsch-Afghanin Morsal O. gegen ihren Bruder haben die Eltern die Aussage verweigert. Beide hätten von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht, teilte das Hamburger Landgericht mit. Der 24 Jahre alte Ahmad-Sobair O. soll seine Schwester im Mai 2008 erstochen haben; auch gegen die Eltern wurden Misshandlungsvorwürfe laut. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), machte auf einen weiteren Fall aus der Neujahrsnacht aufmerksam. Sie sei entsetzt und betroffen über den Mord an einer 18-jährigen Türkin in Harsewinkel im Kreis Gütersloh.

Der Angeklagte hatte die Tat gestanden, wollte sich aber ebenso wie die Eltern vor Gericht nicht äußern. Ihm wirft die Anklage vor, seine Schwester heimtückisch und aus niederen Beweggründen erstochen zu haben. Den Ermittlungen zufolge soll Morsal O. wegen ihres westlichen Lebenswandels zuvor von Eltern und Geschwistern wiederholt misshandelt worden sein.

Die Staatsanwaltschaft Hamburg erhob inzwischen auch Anklage gegen den Vater. Ihm werde Misshandlung Schutzbefohlener vorgeworfen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Morsal hatte mehrfach bei den Hamburger Jugendbehörden Schutz gesucht. In einem vertraulichen Bericht seien eine Reihe dieser Vorfälle dokumentiert, berichtete der Sender NDR 90,3. Darin sei auch von kollektiver Fehleinschätzung der offenbar brisanten Lage die Rede, meldete der Sender unter Berufung auf den Bericht, der ihm nach eigenen Angaben vorliegt.

Nach Medienberichten wurde die Türkin in Harsewinkel von ihrem Mann aus Eifersucht getötet. Er habe auf sie eingestochen und sie anschließend überfahren. Der 26-Jährige sei kurzzeitig nach Deutschland gekommen, um seine Frau in die Türkei zu holen. Die 18-Jährige habe dies jedoch vermutlich abgelehnt und sich stattdessen von ihm trennen wollen, heißt es in den Zeitungsberichten. Der mutmaßliche Täter sitzt in Untersuchungshaft.

"Für so genannte Ehrenmorde darf es in unserem demokratischen Rechtsstaat keine mildernde Umstände geben", sagte Böhmer. Die Toleranz gegenüber anderen Kulturen und Religionen ende dort, wo Menschenrechte und Gleichberechtigung missachtet würden. "Der Fall zeigt auch, dass wir bei der Bekämpfung von Zwangsverheiratungen und Gewalt gegen Migrantinnen nicht nachlassen dürfen", erklärte Böhmer weiter.

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