Parteichefin-Stichwahl bei Frankreichs Sozialisten

Paris (AFP) — Die französischen Sozialisten wählen in einer Stichwahl ihre Parteivorsitzende. Die heillos zerstrittene Sozialistische Partei (PS) müsse sich wandeln, erklärte die ehemalige Präsidentschaftsbewerberin Ségolène Royal wenige Stunden vor der Mitgliederabstimmung, bei der sie gegen die frühere Arbeitsministerin Martine Aubry antrat. Sie sei "die Garantie" dafür. Aubry forderte ebenfalls, dass die Partei sich erneuern müsse. Schon dass künftig eine Frau die PS führen werde, sei "eine Revolution". Bei der ersten Wahlrunde hatte keiner der drei Kandidaten die Hälfte der Stimmen erreicht.

Royal warb vor der Stichwahl auch um die Wähler des Parteilinken Benoît Hamon, der als dritter Kandidat beim Wahlgang am Vortag mit knapp 23 Prozent der Stimmen aus dem Rennen geschieden war und unverzüglich eine Wahlempfehlung für Aubry abgegeben hatte. Auch unter ihrer Führung werde die PS "links verankert" bleiben, betonte Royal, die eine Öffnung der Partei zur Mitte anstrebt und mit knapp 43 Prozent der Stimmen im ersten Durchgang am besten abgeschnitten hatte.

Aubry sagte im Radiosender France Info, sie wolle "neue Gesichter" für die Partei und für einen Generationenwechsel sorgen - ein Thema, das bislang eher ihre Rivalin besetzt hatte. Wenn sie die Stichwahl gewinne, werde sie als erstes Royal anrufen, kündigte die Bürgermeisterin von Lille an, die für die klassische Linke steht und auf knapp 35 Prozent der Stimmen gekommen war. "Wir haben nicht die gleiche politische Linie, aber für die Franzosen müssen wir geeint sein."

Der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë, ein sozialistisches Schwergewicht, erneuerte seine Wahlempfehlung für Aubry. Er halte es für "entscheidend", dass die frühere Ministerin an die Spitze der Partei gewählt werde. Delanoë war der "Erfinderin" der 35-Stunden-Woche am Montag überraschend zur Seite gesprungen, nachdem die tief gespaltene PS sich bei einem Parteitag am Wochenende nicht auf einen gemeinsamen Vorschlag für den neuen Vorsitzenden einigen konnte.

Der scheidende Parteivorsitzende François Hollande mahnte zu Geschlossenheit. "Es ist sehr wichtig, dass alle Sozialisten sich hinter diejenige stellen, die gewählt wird", sagte Hollande im Radiosender France Bleu Limousin. Die künftige Parteichefin brauche "Kraft", betonte Hollande, der den Parteivorsitz nach elf Jahren abgibt.

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