Peking — Selbsternannte chinesische Sicherheitskräfte sind in den vergangenen Tagen mehrfach gegen ausländische Journalisten vorgegangen, die den unter Hausarrest stehenden blinden Dissidenten Cheng Guangcheng besuchen wollten. Die französischen Korrespondenten der Zeitungen "Le Monde", "Le Nouvel Observateur" und des Radiosenders RFI sagten der Nachrichtenagentur AFP, sie hätten sich am Sonntag gemeinsam in das Dorf Dongshigu in der östlichen Provinz Shandong aufgemacht, wo Cheng lebt. "Schonungslos" habe rund ein Dutzend "Muskelprotze" sie vor dem Haus des Oppositionellen zurückgedrängt, sagte Brice Pedroletti von "Le Monde".
Der RFI-Korrespondent Stéphane Lagarde musste sein Aufnahmegerät und seinen Presseausweis abgeben. Das Aufnahmegerät habe er nur ohne Speicherkarte wiederbekommen, sagte er. Zudem sei er von einem Bauern mit einem Ziegelstein bedroht worden. Ursula Gauthier vom "Nouvel Observateur" berichtete, sie sei vor dem Haus von Cheng von Bauern, die sich als "Ordnungshüter des Ortes" ausgegeben hätten, "angerempelt" worden. Auch eine Sprecherin der "New York Times" sagte AFP, dass eine Gruppe von Journalisten der Zeitung am Montag von einheimischen Milizen bedroht worden sei. Die Polizei wies den Vorwurf zurück, die Behörde habe Einheimische engagiert, um gegen Journalisten vorzugehen.
Chen ist einer von zahlreichen autodidaktischen "Rechtsanwälten", die sich in China in Menschenrechtsfragen engagieren und Betroffene beraten. Er hatte vor allem mit Kritik an der rigiden Ein-Kind-Politik den Zorn Pekings auf sich gezogen. Chen steht in seinem Haus unter Hausarrest, seit er im September nach mehr als vier Jahren aus der Haft entlassen worden war. Vergangene Woche wurde er nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation krankenhausreif geschlagen, nachdem ein einstündiges Video über die ständige Überwachung durch Sicherheitskräfte im Internet veröffentlicht worden war.
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