Mordfall Politkowskaja wird doch nicht öffentlich verhandelt

Moskau (AFP) — Der Prozess um den Mord an der russischen Journalistin und Regierungskritikerin Anna Politkowskaja findet anders als zunächst angekündigt nun doch hinter verschlossenen Türen statt. Der zuständige Richter am Militärgericht in Moskau, Jewgeni Subow, widerrief seine Ankündigung, das Verfahren öffentlich abzuhalten. Damit solle die Sicherheit der Prozessbeteiligten und ihrer Angehörigen gewährleistet werden. Die vier Angeklagten plädierten am zweiten Prozesstag nach Angaben eines Anwalts auf unschuldig.

Der Chefredakteur der Wochenzeitung "Nowaja Gaseta", Dmitri Muratow, nannte die Entscheidung des Richters eine "Schande". Sie sei insgeheim getroffen worden, nur weil sich die Geschworenen geweigert hätten, in Anwesenheit der Presse zu erscheinen. "Das ist furchtbar", sagte Muratow, für dessen Zeitung Politkowskaja gearbeitet hatte. Er werde in seiner Zeitung dafür sorgen, dass der Prozess öffentlich gemacht werde. Die Staatsanwaltschaft hatte ein Verfahren hinter verschlossenen Türen beantragt; die Angehörigen Politkowskajas fordern hingegen einen öffentlichen Prozess.

Zum Prozessauftakt am Montag hatte der Richter erklärt, er lehne den Antrag der Staatsanwaltschaft auf ein Verfahren hinter verschlossenen Türen ab. Er werde die Öffentlichkeit jedoch ausschließen, falls Druck auf die Geschworenen ausgeübt werde, hatte er hinzugefügt.

Angeklagt sind ein russischer Polizist, zwei Tschetschenen sowie ein ehemaliger Spezialagent des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Sie sollen bei der Vorbereitung der Tat geholfen haben. "Alle vier haben auf unschuldig plädiert", sagte einer der Anwälte der Nachrichtenangentur AFP. Der mutmaßliche Todesschütze Rustam Machmudow ist weiterhin flüchtig; der oder die Auftraggeber sind immer noch unbekannt.

Politkowskaja war am 7. Oktober 2006 im Treppenhaus ihres Moskauer Wohnhauses erschossen worden. Sie gehörte zu den wenigen Journalisten in Russland, die etwa über den Feldzug der russischen Truppen in Tschetschenien kritisch berichtet und schwere Menschenrechtsverletzungen angeprangert hatten. Frühere Kollegen vermuten, dass Politkowskajas Tod im Zusammenhang mit einem geplanten Artikel über Folter in Tschetschenien stand.

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