Bürger und Ärzte beklagen Mängel im Gesundheitswesen

Berlin (AFP) — Mehr als die Hälfte der Patienten und Ärzte beklagt laut einer Umfrage Mängel im deutschen Gesundheitswesen. 60 Prozent der Bürger und 57 Prozent der Ärzte glauben, dass sich die Qualität der Gesundheitsversorgung in den vergangenen Jahren verschlechtert habe, heißt es in einer in Berlin vorgelegten Allensbach-Umfrage. Sie wurde mit Unterstützung der Bundesärztekammer für den Finanzdienstleister MLP erstellt. Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe kritisierte, "extrem ungünstige Arbeitszeiten" und "mangelhafte Vergütung" schreckten angehende Mediziner ab, sich niederzulassen.

Laut der Umfrage beurteilen insgesamt 59 Prozent der Bevölkerung die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems als "gut" oder "sehr gut", das sind fünf Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. Mit Skepsis blicken Bürger und Ärzte indes in die Zukunft. Lediglich 16 Prozent der Patienten und 15 Prozent der Ärzte glauben, dass es der Politik gelingt, auch längerfristig eine gute Gesundheitsversorgung sicherzustellen. 61 Prozent der Ärzte erwarten, dass der Kostendruck nach Einführung des Gesundheitsfonds im Januar weiter zunimmt. Schon heute beklagt etwa jeder zweite Arzt, dass er zu wenig Zeit für seine Patienten hat.

Hoppe erklärte, es könne niemanden verwundern, wenn junge Ärzte deshalb nach Alternativen Ausschau halten und zum Beispiel im Ausland arbeiten. Ohne entsprechenden Nachwuchs könne die wohnortnahe Versorgung aber nicht mehr abgesichert werden. "Die Versorgungskrise, die heute schon in ländlich geprägten Gegenden spürbar ist, wird sich dann auf die ganze Republik ausdehnen", warnte der Präsident der Bundesärztekammer. Er bekräftigte seine Forderung, Ärzte und Krankenhäuser in das geplante Konjunkturprogramm der Bundesregierung einzubeziehen. Ansonsten werde in den nächsten Jahren in der stationären Versorgung "eine Pleitewelle nach der anderen durch das Land rollen".

Der Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums, Klaus Vater, warnte davor, das Gesundheitssystem "mieszumachen". Deutschland habe eine Gesundheitsversorgung, "um die uns viele weltweit beneiden". Er verwies darauf, das Leistungen ausgeweitet wurden und auch Kassenärzte eine bessere Honorierung erhalten. Wenn mehr Menschen in Deutschland davon überzeugt seien, dass das Gesundheitssystem nicht mehr so sei wie vor einigen Jahren, dann liege dies daran, dass führende Vertreter der Gesundheitsversorgung "den eigenen Arbeitsbereich schlechtreden", sagte der Ministeriumssprecher in Berlin.

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