Klinik-Mitarbeiter protestieren bundesweit gegen Finanznöte

Berlin/Köln (AFP) — Ärzte, Pfleger und Krankenhausangestellte haben mit bundesweiten Protesten auf die Finanznöte der Kliniken aufmerksam gemacht. Nach Angaben eines Sprechers der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) beteiligten sich schätzungsweise mehrere zehntausende Mitarbeiter an einer "aktiven Mittagspause". Die Bundesregierung hatte den Krankenhäusern ab dem kommenden Jahr insgesamt mehr als drei Milliarden Euro zusätzlich zugesagt. Nach Ansicht vieler Kliniken reicht dies jedoch nicht aus. Sie fordern Nachbesserungen.

Die von der Bundesregierung versprochene Hilfe müsse "schnell wirksam werden", forderte DKG-Präsident Rudolf Kösters. Ansonsten drohten "massive Liquiditätsprobleme". Ab Januar müssten die Kliniken um fünf Prozent steigende Tariflöhne finanzieren. "In den Kliniken stehen dabei mehr Arbeitsplätze als in der Automobilindustrie auf dem Spiel", erklärte Kösters. Der Vorsitzende der Ärzteorganisation Marburger Bund, Rudolf Henke, warnte vor "Akkordpflege und Fließbandmedizin". "Wenn die Krankenhäuser nicht die vollen Personalkosten bezahlt bekommen, dann laden sie den Druck beim Personal ab und sparen bei Ärzten, Schwestern und Pflegern", erklärte er. Henke forderte den Bundestag auf, das Hilfspaket deutlich aufzustocken.

Zu der halbstündigen Protestaktion hatte das Aktionsbündnis zur Rettung der Krankenhäuser aufgerufen. Nach Schätzung der Krankenhausgesellschaft beteiligte sich etwa die Hälfte der bundesweit rund 2100 Kliniken. An der zentralen Veranstaltung in Köln nahmen auch Verdi-Chef Frank Bsirske und der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, teil.

Der Chef der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH), Ingo Kailuweit, warnte indes vor noch stärker steigenden Krankenhausausgaben. "Wenn die Kliniken jetzt noch mehr Geld fordern, ist eine Finanzierung über den von der Bundesregierung festgesetzten Einheitsbeitragssatz von 15,5 Prozent kaum möglich", erklärte er in Hannover. Der KKH-Chef plädierte dafür, dass sich die Krankenhäuser zukünftig stärker zu Kompetenzzentren spezialisieren, um dann gezielte Fördermittel zu erhalten.

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