"Die Freie Welt" via M. Möhling
Watch this very informative “Enterprise Africa” – panel discussion on fighting poverty in Sub-Saharan Africa featuring some leading experts on the issue:
Enterprise Africa! – NYC Panel – 1
Jeffrey Robinson, William Eaterly, Peter Boettke
Enterprise Africa! – NYC Panel – 2
Karol Boudreaux
Enterprise Africa! – NYC Panel – 3
John Kasaona, Shadrack Mabuza, Temba Nolutshungu
Enterprise Africa! – NYC Panel – 4
Q & A
“Who controls the past controls the future. Who controls the present controls the past.” – George Orwell
Don’t miss this frightening documentary!
Yo! Check this sh++ out, my econ-homeys! The battle of the century!
“Fear the Boom and Bust” – a Hayek vs. Keynes Rap Anthem
I believe, there are three main reasons for this terrible tragedy: Haiti is one of the poorest countries in the world. Haiti is a very undemocratic country. And, well… there was an earthquake of major proportions.
Why do I believe that? Because it is common sense – and because of this impressive scientific study, which shows that there are far fewer deaths from natural disasters in rich and democratic societies:
Democracy, GDP and Natural Disasters -
Gregory E. van der Vink and co-authors
update – 26.01.2010, 00:28:
Die Website der Islamischen Religionsgemeinschaft ist derzeit, womöglich aus rituellen Gründen, in Überarbeitung. Die unten angeführten Links sind zukünftig möglicherweise nicht oder nur in veränderter Form zugänglich.
Einer der letzten Einträge war übrigens eine unautorisierte Kopie dieses Artikels. Von einer Ahndung sehen wir ab. M. le »Président«, comme ils disent en Nouvelle-Orléans: Laissez les bon temps rouler! Auch Prof. Dr. Beate Rennen-Allhoff, die Erfüllungsgehilfin Ihrer berechtigten Anliegen lässt ’s sich nicht verdrießen und präsentiert sich noch in voller Pracht.
update – 26.01.2010, 08:25:
Es war gar nicht so schlimm, die Website wurde nur mit Flasheffekten und none less than Otto von Bismarck aufgepeppt. Der hat nämlich in der Zwischenzeit, in des Prof. Dr. Vurals Diktion, dem Propheten einen Brief geschrieben:
Ich bin traurig, dass ich nicht im gleichen Jahrhundert wie Du, ja Muhammed (Gott segne Dich und gebe Dir Heil), gelebt habe. Die Menschheit hat ein einziges Mal so eine hervorragende Allmacht wie Dich gesehen und wird nie wieder so etwas sehen können. Aus diesem Grund neige ich mich vor Dir mit vorzüglicher Hochachtung
Oder hat ihm Prof. Dr. Beate Rennen-Allhoff die kalte Hand geführt? Egal, Prof. Dr. Gess hat jedenfalls ausgehetzt. Wo wurde der Rüpel überhaupt promoviert, wenn überhaupt? Sicher nicht im erfreulich rechtssoziologisch geprägten rechtswissenschaftlichen Föhrenhain des Forschungsinstituts in Betreff zu Integrationsfragen der Sütçü İmam Üniversitesi in Kahramanmaraş-Südost, wie der Präsident und Beate vielleicht auch.
Eine Handreichung zum derzeit laufenden Rechtsstreit zwischen Heinz Gess, Soziologe der FH Bielefeld und Abdurrahim Vural, dem Präsidenten der Berliner Islamischen Religionsgemeinschaft. Kurz und unsachlich: Gess hat grosso modo Recht, ist aber gelegentlich ungeschickt – er wird allerdings von seiner Chefin schon lange getriezt und ist wohl etwas allein und nervös. Es empfiehlt sich u.U. die Einrichtung von Männer- und Frauenheimen für Islamkritiker- und Gegner mit Erfrischungsgetränken, Streicheleinheiten und Counselling. Vorweg etwas Namenskunde: Abdurrahim (arab: Diener des Erbarmers), Vural (türk: Schlag und Nimm; vur, almak).
- Zusammenfassung
- Zeitlicher Ablauf der Auseinandersetzung mit Links und Auszügen. Wegen häufiger Überarbeitungen der Texte von Gess und der etwas unübersichtlichen website der Islamischen Religionsgemeinschaft ist die Chronologie gewöhnungsbedürftig.
- Bedenkenswertes und/oder amüsante Zitate von islamischereligionsgemeinschaft.org
- Zusammenfassung
- Gess veröffentlicht ein Essay und postuliert nach Freud, der Islam sei eine Zwangsneurose, ein Straftatbestand “Islamophobie” illegitim.
- Vural fordert die Bestrafung Gess bei der Präsidentin der FH Bielefeld wg. Volksverhetzung.
- Er fordert von Gess 2899.40 € wg. Verwendung eines urheberrechtlich geschütztes Fotos. (wohl mit Recht – über den Betrag kann man streiten)
- Er fordert weitere 1775.64 €, weil Gess von Vural als “Präsidenten” in Anführung geschrieben hatte, dies sei eine Beleidigung.
- Der Anwalt fordert aus eigener Initiative 1275.64, weil Gess ihm öffentlich eine “Abzockmasche” vorgeworfen hatte, dies sei Schmähkritik.
- Vural stellt über seinen Anwalt Strafanzeige und Strafantrag gegen Gess wg. des Präsidenten in Anführungszeichen. (wg. sonst nichts!)
- Ablauf mit Links und Auszügen
- 12. Dezember 2009/kritiknetz.de: Gess veröffentlicht ein Essay mit dem Titel “Zwangsneurose Islam oder Straftatbestand Islamophobie”. Später wird es ohne Nachfrage beim Autoren unter islam-deutschland.info eingestellt.
- 25. September 2009, Übersicht Vurals/IR: Vural fordert von der Präsidentin der FH Bielefeld, Prof. Dr. Beate Rennen-Allhoff, “im Namen der Muslime aus aller Welt eine Auflärung sowie die Bestrafung von Prof. Gess.” Dies wg. Gess’ “Volksverhetzung” und “übler Nachrede” auf dem “rassistisch geprägtem Internetportal” islam-deutschland.info, sowie, wg. eines sinnentstellenden Zitats S. Freuds durch Gess, und dadurch des “Diebstahls von wissenschaftlichen Erkenntnissen, noch dazu vollkommen einseitig und aus dem Zusammenhang genommen”.
- 23. November 2009: Eine Pressemitteilung Vurals mit der Überschrift: “Dummheit und blinder Hass gegenüber dem Islam müssen bestraft werden!” Durch der Behauptung der “Islam [sei] eine kollektive Zwangsneurose” habe Gess nicht nur “alle Religionen dieser Welt verunglimpft”, sondern “sich selbst als Christ auch“. Gess habe Freud zudem falsch interpretiert, dem sei es um die “Möglichkeit der Heilung von Krankheiten durch den Glauben” gegangen.
- 2. Dezember 2009, wieder Übersicht Vurals/IR, (Datumsangabe von Gess; die enthaltene Datumsangabe 2.9.09 ist falsch, aus der Überschrift “2. Schreiben” und dem Inhalt ergibt sich ein späteres Datum): Vural bedankt sich bei Rennen-Allhoff für die “schnelle und positive Reaktion” auf sein Schreiben und verweist u.a. auf islam-deutschland.info als gefordertes “Beweismittel”. Er “unterstell[t]“, dass Gess vom Betreiber um Erlaubnis zur Wiedergabe gefragt wurde. Er endet mit dem Hinweis, seine “achtjährige Tochter” werde “in der Schule gerade wegen dieser Internetseite von ihren Mitschülern so schlecht behandelt”, “dass sie alle Anzeichen einer Posttraumatischen[sic] Belastungsstörung zeigt”.
- Genaues Datum unbekannt/kritiknetz.de: Auf obiges Schreiben fordert Rennen-Allhoff mit dem “Subject” [sic] “Verleumdung des Präsidenten der islamischen Religionsgemeinschaft” Gess zu einer Stellungsnahme auf.
- 14. Januar 2010: Vurals Anwalt, Andreas Wisuschil, macht 2000.- Schadensforderung und 899.40 Anwaltskosten geltend, weil Gess ein urheberrechtlich geschütztes Foto von dessen Website benutzt habe.
- 16. Januar 2010, wieder Übersicht Vurals/IR: Vural teilt Rennen-Allhoff mit, er habe mit großer Bestürzung Gess’ Artikel in dessen Internetzeitschrift “Kritiknetz” gelesen. Dieser mache sich nicht nur über die Islamische Religionsgemeinschaft und Vural lustig, sondern auch über Rennen-Allhoff. Er erwarte zu “diesem ungeheuerlichen Vorfall” eine Stellungnahme.
- 18. Januar 2010: Anwalt Wisuschil verlangt von Gess 1000.- Schadensforderung und 775.64 Anwaltskosten, weil Gess von Vural als “Präsidenten” in Anführung geschrieben hatte, dies sei eine Beleidigung, ggfls. erfolge ein Verfahren.
- 18. Januar 2010: Wisuschil macht aus eigener Iniative 500.- Schadensforderung und 775.64 Anwaltskosten geltend, weil Gess ihm öffentlich eine “Abzockmasche” vorgeworfen hatte, dies sei Schmähkritik.
- 18. Januar 2010: Vural verlinkt Abmahnungen gegen den “durchgeknallten” und “irre gewordenen Islamfeind Professor Heinz Gess”, der mit einer “neonazistischen Gruppierung” zusammenarbeite”.
- 18. Januar 2010: Vurals Anwalt stellt in dessen Auftrag Strafanzeige und Strafantrag wg. des Präsidenten in Anführungszeichen. (wg. sonst nichts, Gess’ Überschrift “Kollektive Zwangsneurose oder Straftatbestand Islamophobie” wird lediglich erwähnt und nicht strafrechtlich gewürdigt.)
- Bedenkenswertes und/oder amüsante Zitate
- Pressemitteilung/IR: Vural wurde 2007 verhaftet. Er betreibt nun seine Rehabilitation, “dies mit der Macht von sachlichen, aber nicht zu widerlegenden Argumenten”. Laut eigener Aussage bisher vergeblich.
- Pressemitteilung/IR: Vurals Lebenswerk ist “die Durchsetzung des Islamischen Religionsunterrichtes in allen Sprengeln und Stufen der Berliner Schulen”.
- Schreiben Vurals an Angela Merkel/IR: Er läßt seinen Anwalt Andreas Wisuschil an die Bundeskanzlerin schreiben, denn er sieht im “Konzept eines deutschen Kulturislam” den “Schlüssel für die Lösung des im Zunehmen begriffenen integrationspolitischen Problems”. “Der deutsche Kultur-Islam nach dem Vural´schen Konzept beruht auf nachfolgenden tragenden Säumen [sic]:” [... bedingungsloses Bekenntnis zum GG, Freundschaft zu [sic] den USA, Anerkennung des Existenzrechts Israels …] “Es [...] gibt [...] eine Vielzahl von Kultur-Islamen [...] Als Beispiel hierfür könnte die Lehre des Islam-Gelehrten Professor Dr. Tariq Ramadan angeführt werden, oder etwa auch [der] Islam-Gelehrte[] Imam Safi. [...] Vural [...] genießt [...] ein hohes Ansehen und gilt [...] als eine Autorität von dem Format, wie es den obigen Glaubens-Autoritäten entspricht. [...] Diese Autorität basiert auf nachfolgenden Gegebenheiten: [...] Vural ist mit 15 Jahren der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs e. V. Als Mitglied beigetreten, stieg in dieser schnell in die höchsten Ebenen auf und wirkt dort seit nunmehr über 25 Jahren.”
“Im Schulterschluss” mit seinem Anwalt “hat er seinen erheblichen Wissensfundus mit Spezialkenntnissen des Unterfertigten derart verschränkt, dass [ein] Konzept für einen modernen, toleranten und weltoffenen Islam zentraleuropäischer Prägung in eine präsentationswürdige Form gegossen werden konnte”.
Zudem habe “er das Erste und das Zweite Juristische Staatsexamen erfolgreich abgelegt, dadurch die Befähigung zum Richteramt in der Bundesrepublik Deutschland erlangt” [!], auch sei er rechtswissenschaftlich promoviert worden. Für “seine rechtssoziologisch geprägte rechtswissenschaftliche Forschung in Betreff zu Integrationsfragen” habe “er einen Honorarprofessorentitel” verliehen bekommen.
- Schreiben Vurals an alle Botschafter der Welt/IR:
Unter dem Titel “Schreiben des Prof. Vural an alle Bottschafter [sic] und Botschafterinnen der Welt über das [sic] Rechtsmißbrauch [sic] der Bundesrebublik Deutschland” fragt er fettgedruckt “Rechtsmassaker in der Bundesrepublik Deutschland?” Er urteilt, die “Bundesrepublik Deutschland” sei “kein Rechtsstaat”, die “Würde der Menschen” werde “mit Füßen getreten”. Der deutsche Staat habe “versucht”, ihn “mit mafiösen Mitteln [...] zu vernichten”, weil er “für die Rechte der Muslime erfolgreich gekämpft [...] und die Gleichberechtigung der Muslime mit Christen beinahe zum Erfolg geführt” habe. Man habe ihn “unter grausamen Bedingungen in Untersuchungshaft genommen, um ein Geständnis abzupressen”. Deutsche Richter seien “nur [...] Marionetten der Politiker”. Wie das deutsche Sprichwort sage: “Auf hoher See und vor den deutschen [!] Gerichten ist man allein und in Gottes Hand”.
- Pressemitteilung/IR: Vural ist allerdings mehr als Stolz, wenn ein Richter (Dr. Bernd Pickel, Präsident des Landgerichts Berlin) sich zum Gespräch mit ihm einfindet. Vural habe damit “einen großen historischen Erfolg errungen”.
- Pressemitteilung/IR: “Die Islamische Religionsgemeinschaft K. d. ö. R. ist Inhaberin des Körperschaftsstatus, auch ohne dass ihr dieser von dem Bundesland Berlin hätte verliehen werden müssen. … Der betreffende Körperschaftsstatus wurde ihr nämlich von der ehemaligen DDR staatsrechtlich verbindlich verliehen, wobei dieser im Wege des Einigungsvertrag das staatsrechtliche Bezugssystem der Bundesrepublik mit staatsrechtlicher Wirkung auf eben diese übergegangen ist. … Dies ist Folge der Staatsfusion zwischen der ehemaligen DDR und der Bundesrepublik Deutschland, sowie deren unterschiedlicher staatsorganisationsrechtlichen Verfasstheit, einerseits als zentralistisches, andererseits als föderalistisches Staatswesen”. (Scans der DDR Dokumente vom 1. März 1990 [!], ausgestellt im Auftrag von Lothar de Maizière)
- Schreiben Vurals an den Vorstandsvorsitzenden der Charité/IR: Ein Gerichtssachverständiger, Prof. Dr. H.-L. Kröber von der Charité, soll Vural nach dessen Aussage als Junkie bezeichnet haben. Zudem soll Kröber ein Gutachten bestätigt haben, dass ein Dr. Frank Wendt über Vural angefertigt hatte.
- Bilder: Wikipedia / DefenseImagery.mil; Wikipedia / archives.gov
- Alle Zitate abgerufen am 23.01.2010
- h/t castollux.blogspot.com, achgut.com, Stefan
Diese Frau ist gefährlich, hatte es geheißen, damals, Anfang und Mitte der neunziger Jahre. Da wagte es doch tatsächlich jemand, noch dazu eine Frau, dem Wahngebilde vom allgegenwärtigen und epidemischen Kindesmißbrauch, das sich an Universitäten, in Feuilletonredaktionen und Familienministerien ausgebreitet hatte, Fakten entgegenzusetzen. Katharina Rutschky legte sich mit Feministinnen an, für die Sex und Vergewaltigung mehr oder weniger das gleiche waren, und ließ in ihrem Buch Erregte Aufklärung den aufgeblähten “Dunkelziffern” über sexuelle Gewalt, die Vereine wie Wildwasser oder Zartbitter in die Welt gesetzt hatten, um ihre Existenz zu rechtfertigen, die Luft ab.
Das konnten die entsprechenden Milieus nicht auf sich sitzen lassen. Flugs wurde Rutschky als “Täterschützerin” diffamiert. Als sie an der FU Berlin einen Vortrag halten wollte, wurde sie von aufgebrachten “FrauenLesben” tätlich angegriffen und gewürgt. Weil sie Gewalt gegen Frauen und Kinder verharmlost habe.
Eine Podiumsdiskussion auf dem Hamburger Kirchentag 1995 zum Thema Film und Gewalt hatte ich nur deshalb besucht, weil Katharina Rutschky als Rednerin angekündigt war. Im Abaton-Kino sprachen dann zwar Micha Brumlik, Mariam Lau und Dietrich Kuhlbrodt über Zensur und Postmoderne, Schlingensief und Natural Born Killers und über diesen Tarantino, von dem jetzt alle redeten. Rutschky indes hatte ihre Teilnahme abgesagt, wie es hieß, oder sie war ausgeladen worden, weil rechtschaffene Linke – passend zum Thema – gedroht hatten, man werde ihr Erscheinen auf dem Kirchentag mit Gewalt zu verhindern wissen.
Dabei mußte jedem, der ein wenig über sie und ihre Arbeit wußte, klar sein, wie absurd die Vorwürfe waren. In ihrem Buch Schwarze Pädagogik. Quellen zur Naturgeschichte der bürgerlichen Erziehung, das sie 1977 veröffentlichte, versammelte sie pädagogische Texte aus dem 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert, aus denen deutlich wird, wie Kinder mit Drohungen, Gewalt und Repression zugerichtet und eingeschüchtert, ihres Willens, ihrer Würde und ihrer Sexualität beraubt wurden. Immer aus den hehrsten pädagogischen Prinzipien. Die Psychoanalytikerin Alice Miller griff den von Rutschky geprägten Begriff “Schwarze Pädagogik” in ihren eigenen Arbeiten auf.
Rutschkys Erregte Aufklärung las ich mit größtem Vergnügen – und fortan alles, was mir von ihr unterkam: ihre verstreuten Essays und Buchrezensionen in der Berliner Zeitung, der taz, der Welt, der Frankfurter Rundschau und im Merkur des freundlichen Kurt Scheel. Es waren nicht nur die Themen, es war vor allem der Stil, der mich für sie einnahm, diese ganz selbstverständliche Intellektualität, die ohne jedes Angeber- und Terminologiereitertum auskam, die für eine urbane Debattenkultur stand, der es um Klarheit und Redlichkeit und letztlich auch um Toleranz geht. Katharina Rutschky konnte polemisch sein, aber der Wunsch nach Vernichtung des Gegners, der viele der heute gefeierten Berufspolemiker auszeichnet, ging ihr gänzlich ab.
1999 legte sie sich in Emma und ihre Schwestern noch einmal auf sehr unterhaltsame Weise mit dem Feminismus an. Rutschkys Grundimpulse waren Freiheit und Unabhängigkeit, ihre natürlichen Feinde all jene, die glauben, anderen Menschen vorschreiben zu müssen, wie sie zu leben haben. Die fand sie unter Linken und Feministinnen, aber auch bei konservativen Benimmbuchautoren und Anhängern der “Neuen Bürgerlichkeit”. In einem Gespräch mit dem Komiker Bastian Pastewka über Spießigkeit sagte sie:
“Wenn man das Wort benutzt, hat man ja ein gewisses Ressentiment gegen jemanden. Und ich habe eher ein Ressentiment gegen Überheblichkeit oder Dünkel. Vor allem gegen Menschen, die glauben, sie hätten feines Benehmen oder kämen aus feinem Haus. Ich erinnere mich an eine Szene, da war ich in einen Salon eingeladen und trug einen karierten Rock und eine Batist-Bluse. Das war, zugegeben, schon etwas problematisch, was ich da anhatte. Aber dann schaute mich eine der Gastgeberinnen an und sagte: “Also Katharina, so geht’s aber nicht.” Und da war ich schon dreißig. Wir waren uns gar nicht so nah. Wenn eine Freundin das sagt oder mein Mann, dann ist das was anderes. Aber in einem Salon, wo ich Gast bin, da fühle ich mich dann als Kind aus dem Kohlenkasten. Das finde ich spießig, das ist das kleinlich Herzlose, Leute, die sich nicht vorstellen können, dass es andere gibt, die nicht mit dem goldenen Löffel geboren sind. Da krieg ich Hassgefühle.”
Daß ich Katharina Rutschky viele Jahre später dann doch noch persönlich kennenlernte, verdanke ich besagter Mariam Lau, die zu einem gemeinsamen Abendessen eingeladen hatte. Katharina und Michael Rutschky kamen in Begleitung eines grauen, strubbeligen Bündels, das sich als ein Cockerspaniel namens Pelo herausstellte. Rutschky war viel kleiner, als ich sie mir vorgestellt hatte, wirkte zerbrechlich und war gleichzeitig völlig präsent, zudem auf eine Weise mondän und damenhaft, die mich an Gemälde der Neuen Sachlichkeit erinnerte. Es war kurz nach der Bundestagswahl 2005, sie war auf Merkel gar nicht gut zu sprechen, ihre linke Grundhaltung hatte sie immer beibehalten.
Wir unterhielten uns kaum über Politik, ein wenig über Evolutionstheorie, aber vor allem über Film. Im Theater seien sie seit Jahren nicht mehr gewesen, sagten die Rutschkys, aber ihre Leidenschaft für den Film sei ungebrochen. Fast jeden Abend sähen sie sich einen Film an, oft im Kino, meist auf DVD. Wir sprachen über Serien wie 24, Die Sopranos oder Rome, für die die DVD das adäquate Medium ist – die beiden waren große Sopranos-Fans -, und lästerten über deutsche Schauspieler, die es in Hollywood nicht geschafft haben und ihre Rückkehr nach Deutschland zur bewußten Entscheidung gegen amerikanischen Kommerz und für das deutsche Kunstkino verklärten. Katharina Rutschkys Bemerkung über den Hintern einer Schauspielerin aus dem Umfeld der Berliner Schule hätte grob gewirkt, hätte sie irgendein anderer ausgesprochen. Aus ihrem Mund klang sie beinahe zärtlich.
Am Ende des Abends nahmen mich Katharina und Michael Rutschky in ihrem Wagen nach Kreuzberg mit, wo sie mich an der U-Bahnstation Mehringdamm absetzten. Während der ganzen Fahrt streichelte Katharina Rutschky den auf ihrem Schoß eingeschlafenen Pelo, den sie offensichtlich wie ein Kind liebte.
Einmal bin ich ihr danach noch begegnet, auf dem Kongreß der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung im Berliner Hotel Maritim. Der Psychoanalyse hatte sie die gleiche unzeitgemäße Treue gehalten wie ihrer 68er-Zeit. Wir liefen einander im Foyer über den Weg, sie war gerade unterwegs zu einem Vortrag von Margarete Mitscherlich, wir plauderten ein wenig und ich fragte sie, ob sie an einem neuen Buch schreibe. Sie lächelte auf ihre schelmische Weise und sagte, sie arbeite gerade tatsächlich an einer größeren Sache, ich müsse mich aber noch eine Weile gedulden, verraten könne sie noch nichts.
Ich weiß nicht, was aus diesem Buch geworden ist. Ich würde es gerne lesen. Aber vermutlich werde ich das nicht mehr können. Katharina Rutschky ist in der Nacht zum Freitag wenige Tage vor ihrem 69. Geburtstag nach schwerer Krankheit gestorben.
Ich bedaure es jedesmal, wenn ein Autor, den ich schätze, nicht mehr lebt. Doch dieses Mal bin ich wirklich traurig.
Most people believe that only lunatic lefties are in favour of free migration. Unfortunately, they are very close to the truth. I wish that more moderates, liberals, conservatives and libertarians would speak up against all barriers to immigration. A crazy idea? Watch or listen to this wonderful speech by British economist Nigel Harris, author of Thinking the Unthinkable – The Immigration Myth Exposed, at Gresham College: Refugees, economic migration and the future of the world economy


