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2015

Hammaburg und Ansgar

Um die Missionierung der nördlich benachbarten Regionen voranzutreiben und diese letztlich tributpflichtig zu machen, entsandte der Sohn Karls des Großen, Kaiser Ludwig der Fromme, im Jahr 834 den loyalen und erfahrenen Missionar Ansgar nach Hammaburg. Dort errichtete Ansgar im Schutze der Burg eine hölzerne Kirche. Dem Apostel des Nordens, wie er auch genannt wird, waren allerdings keine dauerhafteren Erfolge beschieden.

WER WAR ANSGAR?
Über Ansgar (801–865) sind wir ungewöhnlich gut informiert, weil seine Lebensgeschichte durch seinen Schüler Rimbert in der Vita Anskarii aufgeschrieben worden ist.Ansgar erhielt seine Ausbildung zum Priester im nordfranzösischen Corbie, von wo er 823 in das neu gegründete Kloster Corvey entsandt wurde.Seine erste Missionsreise führte Ansgar 826 nach Dänemark, 829 reise er nach Schweden. 834 wurde er durch Ludwig den Frommen in den künftigen Missionsstützpunkt Hammaburg berufen, wo er bis zur Zerstörung des Ortes durch die Wikinger 845 blieb. Er entkam nach Bremen und übernahm den dortigen Bischofsstuhl, den er bis zu seinem Tod 865 innehatte.
BURG ESESFELTH – STÜTZPUNKT KARLS DES GROSSEN IM NORDEN
Nachdem 804 der sächsische Widerstand gebrochen war, übertrug Karl der Große die Verwaltung der nordelbischen Gebiete Sachsens auf die mit ihm verbündeten slawischen Nachbarn, die Obodriten. Als jedoch die dänischen Wikinger unter König Göttrik erstarkten, beauftragte Karl den fränkischen Grafen Egbert mit der Grenzsicherung. Egbert errichtete 810 am Westrand des heutigen Itzehoe die Burg Esesfelth an der Stör als erste fränkische Befestigung nördlich der Elbe. Sie liegt verkehrsgeografisch äußerst günstig in direkter Anbindung an die Elbe sowie am Ochsenweg, der als Heeres- und Handelsweg bis nach Jütland reicht. Bald folgte der militärischen auch die christliche Festigung, durch die Esesfelth zum wichtigsten Stützpunkt für die nordische Mission unter dem einflussreichen Bischof Ebo von Reims aufstieg.
ANSGARS ANKUNFT – HAMMABURG TRITT INS LICHT DER GESCHICHTE
Die Hammaburg war 817/22 nach ihrem Ausbau zu einer wichtigen Grenzfestung am Nordrand des Fränkischen Reichs aufgestiegen. Um die Missionierung der nördlich benachbarten Regionen voranzutreiben und diese letztlich tributpflichtig zu machen, entsandte der Sohn Karls des Großen, Kaiser Ludwig der Fromme, im Jahr 834 den loyalen und erfahrenen Missionar Ansgar nach Hammaburg. Er kam aus dem Kloster Nova Corbeia (Corvey) im heutigen Ostwestfalen, einem der wichtigsten Stützpunkte der karolingischen Missions- und Kirchenpolitik in Sachsen. In Hammaburg errichtete Ansgar im Schutze der Burg eine hölzerne Kirche. Als wirtschaftliche Grundlage für seinen kaiserlichen und päpstlichen Missionsauftrag übereignete Ludwig dem neuen Missionsbischof Ansgar das Kloster Torhout in Flandern. Mit der dazu ausgefertigten Urkunde vom 15. Mai 834 tritt Hammaburg erstmals ins Licht der Geschichte.
ANSGARS AUFTRAG
Ansgars Mission, das Christentum über die nördlichen Reichsgrenzen hinaus zu verkünden, führte ihn ab 826 mehrmals nach Dänemark und Schweden. In Birka, Haithabu und Ribe, den wichtigsten Handelsplätzen des Nordens, gelang es ihm unter Duldung der Machthaber, Kirchen zu errichten und Heiden zu taufen. Dem Apostel des Nordens, wie er auch genannt wird, waren allerdings keine dauerhafteren Erfolge beschieden; alle drei Kirchgemeinden hatten zu Ansgars Lebzeiten nur kurzen Bestand. Erst mit der Taufe des Königs Harald Blauzahn im Jahr 965, 100 Jahre nach Ansgars Tod, erfolgte in Dänemark der endgültige Durchbruch des Christentums.
DIE SUCHE NACH ANSGARS KIRCHE
Die Forschung hat stets vorausgesetzt, dass Ansgars Kirche innerhalb der umwehrten Hammaburg liegen müsse. Als bei den ersten Ausgrabungen 1949 vier besonders mächtige Kantholzpfosten entdeckt wurden, die genau in der Flucht des späteren gotischen Domes lagen, wurden diese daher gleich als Hamburgs Ur-Kirche interpretiert. Inzwischen ist aber klar, dass die Pfostenspuren deutlich jünger sind und zu einer Holzkirche gehören, die wohl von Erzbischof Unwan in den 1020er Jahren errichtet worden ist. Dieser Unwan-Dom ist heute der älteste auf dem Domplatz nachgewiesene Kirchenbau. Er entstand erst nach der Schleifung der Hammaburg III auf dem aufgelassenen Burgareal. Ansgars Kirche konnte bis heute nicht gefunden werden. Vieles deutet darauf hin, dass ihre Reste unter der Hauptkirche St. Petri unmittelbar nördlich der einstigen Hammaburg liegen.
ANSGAR KEHRT HAMMABURG DEN RÜCKEN
Ansgar kam 845 beim Überfall der Wikinger knapp mit dem Leben davon, jedenfalls berichtet es sein Schüler Rimbert so. Er entfloh schließlich nach Bremen, wo zufällig im selben Jahr Bischof Leuderich starb. Ludwig der Deutsche, König des Ostfrankenreiches, zu dem die Stadt Bremen gehörte, ernannte daraufhin den Missionar zum neuen Bischof von Bremen, obwohl das Bistum eigentlich dem Erzbischof von Köln unterstand, das aber seit der Reichsteilung 843 im Mittelreich Lothars I. lag. Ansgar blieb bis zu seinem Tod 865 in Bremen. Es gibt keine Dokumente, die in dieser Zeit irgendwelche Aktivitäten Ansgars in Hammaburg belegen. Weder weiß man, ob er seine zerstörte Missionskirche wieder errichten ließ, noch, ob er auf seinen Reisen nach Skandinavien an seinem alten Wirkungsort jemals Station machte.
SCHLUSS
Der Domplatz ist einer der historisch bedeutendsten Orte Hamburgs. Archäologische Ausgrabungen erbrachten zahlreiche Spuren seiner wechselvollen Geschichte. Hier liegt die Keimzelle der Hansestadt, hier vermutet man den Standort der Hammaburg, die der Stadt im 9. Jahrhundert ihren Namen gab. Im Schutze der Hammaburg baute Erzbischof Ansgar die erste Holzkirche als Missionsstützpunkt für die Christianisierung Dänemarks und Schwedens sowie der Slawen im Ostseeraum. 
Archäologisches Museum Hamburg Stadtmuseum Harburg|Helms-Museum
Quelle: Ausstellung

DIREKTOR & LANDESARCHÄOLOGE
RAINER-MARIA WEISS

AUTOREN
Jochen Brandt, Elke Först, Yvonne Krause, Lisa Hansen, Michael Merkel, Ingo Petri, Rainer-Maria Weiss

REDAKTION
Michael Merkel

SCHLUSSREDAKTION
Kathrin Mertens

ÜBERSETZUNG
Marlene Hofmann

SCHLUSSREDAKTION ÜBERSETZUNG
Jeffrey Lucas

FOTOS
Archäologisches Museum Hamburg Stadtmuseum Harburg|Helms-Museum,Thorsten Weise, Matthias Friedel (Luftbildfotografie)

KURATOR DER AUSSTELLUNG
Ingo Petri

Quelle: Alle Medien
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