Arts & Culture

THE CONFERENCE OF NATIONAL CULTURAL INSTITUTIONS: 25 YEARS OF GERMAN REUNIFICATION

BEWAHRUNG
Kultur braucht Pflege, Forschung und ein lebendiges Interesse, sie für kommende Generationen zu erhalten und zu erschließen. Die Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 und die erweiterten Möglichkeiten für Kooperationen und Finanzierungen brachten internationales Interesse für die reiche Kulturlandschaft in Ostdeutschland – und nicht selten die Rettung bedeutender Substanz.

STIFTUNG PREUSSISCHE SCHLÖSSER UND GÄRTEN BERLIN-BRANDENBURG

Die zwischen dem 17. und frühen 20. Jahrhundert entstandenen Schloss- und Gartenanlagen in den preußischen Residenzen Berlin und Potsdam sind zentrale Zeugnisse deutscher Kultur und Geschichte. Nach 1918 wurden die Anlagen der Hohenzollern verstaatlicht und weitgehend als Museen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Nach 1945 war das Ensemble durch die deutsche Teilung nicht mehr als eine Einheit wahrnehmbar. Die differenten Nutzungskonzepte hatten vor allem bei denen auf dem Gebiet der DDR liegenden Schlösser erhebliche Substanzverluste zur Folge.

Nach 1990 konnten die Verwaltungen der West-Berliner Liegenschaften und die in Potsdam und Brandenburg ihre gemeinsame Arbeit beginnen, die 1995 in der Gründung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg mündete.

STIFTUNG PREUSSISCHE SCHLÖSSER UND GÄRTEN BERLIN-BRANDENBURG

Interview mit Dr. Detlef Fuchs
Kustos und Direktor Schloss und Park Rheinsberg
Sommer 2015.

STIFTUNG PREUSSISCHE SCHLÖSSER UND GÄRTEN BERLIN-BRANDENBURG

Über Jahrzehnte hinweg wurde Schloss Rheinsberg als Sanatorium genutzt und die original erhaltenen Räume funktional umgeformt.

Nach der Wiedervereinigung wurde in kürzester Zeit das Schloss von den Einbauten des Sanatoriums befreit und am 6. Mai 1991 als Museum eröffnet.

Nach 25 Jahren intensiver Restaurierungs- und Sanierungsarbeit ist Schloss und Park Rheinsberg wieder erstanden.

STIFTUNG PREUSSISCHE SCHLÖSSER UND GÄRTEN BERLIN-BRANDENBURG

Das Pilotprojekt dieser Zusammenarbeit sind die Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten an Schloss und Park Rheinsberg. Für den jungen Friedrich II. war Rheinsberg die Probierstube seiner Gestaltungsideen, die er in Sanssouci umsetzte.

Sein jüngerer Bruder Prinz Heinrich schuf hier einen bedeutenden Musenhof und prägte nachhaltig Schloss und Garten im Stil des frühen Klassizismus.

In seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" setzte Theodor Fontane der Stadt ein literarisches Denkmal, und bald darauf machte Kurt Tucholsky Rheinsberg zur charmanten Erfüllung unbeschwerter Liebe.

STIFTUNG SCHLOSS FRIEDENSTEIN GOTHA / HERZOGLICHES MUSEUM

Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha, gen. der Fromme, wünschte sich in den Wirren und Zerstörungen des Dreißigjährigen Kriegs (1618–1648) Frieden. Den Grundstein dafür legte er 1643 mit dem Baubeginn einer dreiflügeligen Schlossanlage in Gotha.

Die Anlage ist der größte Schlossbau des 17. Jahrhunderts in Deutschland. Herzog Ernst gründete zur selben Zeit eine Kunstkammer und Bibliothek, in die durch ihn und seine Nachfolger bedeutende Bestände gelangten. Im späten 19. Jahrhundert wurde der Neubau eines Kunstmuseums als Ausstellungsgebäude der kunsthistorischen Sammlungen eröffnet.

Zu den Glanzstücken der kunsthistorischen Sammlungen der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha zählt ein Figurenpaar, das Adam und Eva vor dem Sündenfall verkörpert. Die aus Lindenholz gefertigte Arbeit des Bildschnitzers Conrad Meit ist auf die Jahre 1510/15 datiert.

Dieses Werk war unter anderen Teil der 1993 konzipierten Ausstellung mit Arbeiten des 16. Jahrhunderts „Gotteswort und Menschenbild. Werke von Cranach und seinen Zeitgenossen“ ausgestellt und markiert als Beispiel stellvertretend den hohen Rang der Gothaer Sammlung.

Conrad Meit
Adam und Eva, um 1510/15
Buchsbaum, braun lasiert, stellenweise farbig gefaßt
Foto: Stiftung Schloss Friedenstein Gotha/Herzogliches Museum

STIFTUNG SCHLOSS FRIEDENSTEIN GOTHA / HERZOGLICHES MUSEUM

In der Folge des Zweiten Weltkriegs wurde ein Teil der Kunstsammlung und Bibliothek in die Sowjetunion verbracht, die 1956 nach Schloss Friedenstein rückkehrten. Aus konservatorischen Gründen konnte während der Zeit der DDR nur ein kleiner Teil der umfangreichen Sammlungen, darunter holländische und flämische Gemälde des 17. Jahrhunderts, bedeutende Kunst- und Naturalienkollektionen oder Antiken- und Ostasiatika-Sammlungen, ausgestellt werden.

Nach vielen Jahren der Sanierung und Restaurierung wurde 2013, mit Mitteln der Bundesrepublik Deutschland, das Herzogliche Museum als Hort der einmaligen Gothaer Kunstsammlungen wiedereröffnet.

Lucas Cranach d. Ä.
Gesetz und Gnade, 1529
Mischtechnik auf Lindenholz, 82,2 x 118 cm
Foto: Stiftung Schloss Friedenstein Gotha/Herzogliches Museum

LINDENAU-MUSEUM ALTENBURG

Interview mit Dr. Jutta Penndorf
Direktorin des Lindenau-Museums Altenburg (1981 - 2012)
Sommer 2015

LINDENAU-MUSEUM ALTENBURG

Die 180 Tafelbilder frühitalienischer Malerei des Lindenau-Museums in Altenburg sind die größte Sammlung dieser Art außerhalb Italiens. Der sächsisch-thüringische Staatsmann, Naturwissenschaftler und Kunstsammler Bernhard von Lindenau (1779–1854) trug sie zusammen und eröffnete mit einer Abguss-Sammlung, einer Kollektion antiker Keramik, europäischer und deutscher Malerei des 17. bis frühen 19. Jahrhunderts 1876 ein Museum und eine Kunstschule. Bis heute wird die Sammlung im Sinne des Gründers gepflegt und mit Werken des 20. und 21. Jahrhunderts ergänzt.

Die bis heute aktuelle schwierige personelle, finanzielle und auch bauliche Situation des Lindenau-Museums kann den Anforderungen Pflege und Erforschung der kostbaren Sammlungen bei allem persönlichen Engagement nur sehr schwer gerecht werden. Mit Hilfe externer Institutionen und Stiftungen gelang es 2011 in drei Teilprojekten aus dem Sammlungsbestand ursprünglich zu einer Raumdekoration gehörende Groteskentafeln, eine Predellentafel von Luca Signorelli und zwei Tafeln aus einem Florentiner Hochaltar von Pietro Perugino zu restaurieren.

Pietro Perugino (1452–1523)
Heilige Margarethe von Antiochien, 1505–07
Tempera auf Pappelholz, 158 x 65 cm
Foto: Bernd Sinterhauf

LINDENAU-MUSEUM ALTENBURG


Die beiden Altartafeln der Heiligen Margarethe von Antiochia und des Seligen Franziskus von Siena gehören zu den herausragenden Gemälden des umbrischen Künstlers Pietro Perugino (ca. 1446/1450–1523). Beide Gemälde werden dem zwischen 1500 und 1507 entstandenen Hochaltar der Kirche SS. Annunziata in Florenz zugerechnet.

Von dem bereits 1655 vollständig abgebauten Altar sind heute noch acht Tafeln bekannt. Die beiden Haupttafeln sind in Florenz verblieben. Die sechs Seitentafeln befinden sich heute im Metropolitan Museum of Art in New York, in der Galleria Nazionale d’Arte Antica in Rom, im Lindenau-Museum Altenburg und in Privatbesitz.

Nach intensiver kunsthistorischer Forschung ist es 2011 im Rahmen des KUR-Projektes gelungen, den ursprünglichen Altar in seinen Zusammenhängen zu rekonstruieren.

Pietro Perugino (1452–1523)
Seliger Franziskus von Siena, 1505 – 07
Tempera auf Pappelholz, 158 x 65 cm
Foto: Bernd Sinterhauf

STAATLICHES MUSEUM SCHWERIN / LUDWIGSLUST / GÜSTROW - KUNSTSAMMLUNGEN, SCHLÖSSER UND GÄRTEN

In den Schlössern und Gärten in Schwerin, Güstrow, Ludwigslust und dem Staatlichen Museum Schwerin treten die Künste – Architektur, Gartenbau, Kunst und kunsthandwerkliche Objekte – in einen umfassenden und zeitübergreifenden Dialog. Die Sammlungen wurden über mehrere Generationen der Herzöge von Mecklenburg mit großer Kennerschaft zusammengetragen. Heute zählen die Sammlungen holländischer und flämischer Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts zu den umfangreichsten in Europa. Besonders beachtenswert ist die grafische Sammlung, die Herzog Christian Ludwig „gleichsam wie Gemälde“ schätzte.

GALERIE ALTE UND NEUE MEISTER

Der herzogliche Kunstbesitz wurde in dem 1882 eingeweihten Museumsbau der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, der nach der Abdankung des Großherzogs von Mecklenburg 1918 als staatliche Einrichtung weitergeführt und durch bedeutungsvolle Konvolute bereichert wurde. In den Jahren der DDR war das Schweriner Museum ein viel beachteter Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst. Nach 1990 konnten bedeutende Sammlungen angekauft werden wie ein umfangreiches Konvolut mit Werken von Marcel Duchamp und Günther Uecker.

Ein Schwerpunkt der Arbeit ist neben der Pflege der Bestände die Sanierung und Rekonstruktion der Schlösser und Gärten in Schwerin, Güstrow und Ludwigslust.

STAATLICHES MUSEUM SCHWERIN / LUDWIGSLUST / GÜSTROW - KUNSTSAMMLUNGEN, SCHLÖSSER UND GÄRTEN

Interview mit Dr. Dirk Blübaum
Direktor des Staatlichen Museums Schwerin - Kunstsammlungen, Schlösser und Gärten
Sommer 2015

STAATLICHES MUSEUM SCHWERIN / LUDWIGSLUST / GÜSTROW - KUNSTSAMMLUNGEN, SCHLÖSSER UND GÄRTEN

SCHLOSS SCHWERIN

Die Architektur von Schloss Schwerin vereint verschiedenste Zeitschichten und Stile miteinander und fügt sich zu einem der bedeutendsten Zeugnisse des Historismus.

Vorhandene historische Gebäudeteile wurden von den Schweriner Baumeistern einbezogen, unter ihnen auch Gottfried Semper und Friedrich August Stüler. Nach der Abdankung des letzten mecklenburgischen Herzogs wurde Schloss Schwerin ab 1921 als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

STAATLICHES MUSEUM SCHWERIN / LUDWIGSLUST / GÜSTROW - KUNSTSAMMLUNGEN, SCHLÖSSER UND GÄRTEN

SCHLOSS GÜSTROW

Aus Italien kamen die Baumeister und Handwerker für Schloss Güstrow an den Hof des mecklenburgischen Herzogs Ulrich (1527–1603) und ließen hier eines der bedeutendsten Renaissancebauwerke Norddeutschlands entstehen. Trotz seiner Pracht und Einzigartigkeit drohte das Schloss schon im 18. Jahrhundert zu zerfallen. Die Räume wurde durch diverse Nutzungen von einem Lazarett für Kriegsverwundete bis hin zu einem Altersheim, immer wieder umgebaut.

In den 1960er Jahren begannen umfangreiche Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten, die erste Grundsteine für ein Wiedererstehen des Schlosses legten. Heute werden in den Räumen Teile der Kunstsammlungen, Kunstkammerstücke und herzogliche Jagd- und Prunkwaffen ausgestellt. In den früheren Tafel-, Wohn- und Empfangsräumen lassen Gemälde, Skulpturen und Mobiliar der Renaissance und des Barock den Glanz des ehemaligen Fürstensitzes wieder aufleben.

KULTURSTIFTUNG DESSAU WÖRLITZ

Schloss Wörlitz, der Sommersitz des Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, wurde 1773 vollendet und gilt heute als der Gründungsbau des Klassizismus in Deutschland.

Entworfen von dem Architekten Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff spiegelt es programmatisch die Geisteshaltungen und kulturellen Interessen des ausgehenden 18. Jahrhunderts wider. Das Schloss liegt im einem weitläufigen Gartenreich, in das der Fürst seine Reiseimpressionen übersetzte.

Aufgabe der heutigen Kulturstiftung DessauWörlitz ist, die Anlagen des historischen Gartenreichs mit seinen fünf Schlössern, Einzelbauten und gestalteten Landschaften im Spannungsfeld von Denkmalpflege und Naturschutz zu restaurieren, zu bewahren und zu erforschen.

KULTURSTIFTUNG DESSAU WÖRLITZ


Interview mit Uwe Quilitzsch
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
und Dr. Wolfgang Savelsberg
Leiter der Abteilung Schlösser und Sammlungen
Sommer 2015

KULTURSTIFTUNG DESSAU WÖRLITZ

Die Villa Hamilton mit Wanddekorationen im pompejianischen Stil, Wedgwood-Reliefs, Gemälden und Kupferstichen.

KULTURSTIFTUNG DESSAU WÖRLITZ

Zwischen 1788 und 1794 entstand im Wörlitzer See die künstliche Felseninsel "Stein", bei der Fürst Franz die Reiseeindrücke seiner Grand Tour nach Italien Gestalt werden ließ.  Das einschneidende Erlebnis einer Vesuvbesteigung sollte hier seinen Widerhall in mit Findlingen verblendeten Mauern finden, die jene schroffen Felsen und Grotten der Küste bei Neapel nachbilden sollten. 
Dem künstlichen Vulkan angegliedert ist die Villa Hamilton mit Wanddekorationen im pompejianischen Stil, Wedgwood-Reliefs, Gemälden und Kupferstichen.

Im 19. Jahrhundert wurde es still um den Wunderfelsen. 1983 musste die Insel wegen akuter Einsturzgefahr gesperrt werden. Erst 1999 konnte man mit den aufwendigen Sicherungs- und Wiederherstellungsmaßnahmen beginnen, um im September 2005 mit einer inszenierten Eruption den "Stein" wieder zu eröffnen.

GRASSI MUSEUM FÜR ANGEWANDTE KUNST

Das heutige Grassi Museum für Angewandte Kunst geht mit seiner Sammlung auf das 1874 eröffnete Kunstgewerbemuseum Leipzig zurück und zählt heute mit rund 90.000 Objekten weltweit zu einem der bedeutendsten Museen im Bereich angewandter Kunst. Das nach Plänen der Architekten Zweck und Voigt in den Jahren 1925–1929 erbaute Grassimuseum, das 1926 das Museum für Angewandte Kunst bezog, ist als architektonisches Zeugnis des Art Déco auch selbst eines der wichtigsten Exponate.

Nachdem das Gebäude 1943 durch Bombentreffer stark zerstört wurde und in der Nachkriegszeit die Mittel fehlten, es wieder aufzubauen, konnten erst 2001 mit der umfassenden Sanierung und Neukonzeption der Ausstellungen begonnen werden. Die Sammlungen des Museums für Angewandte Kunst ist heute mit einer Dauerausstellung, die in drei Phasen zwischen 2007 bis 2012 eröffnet wurde, und zahlreichen Sonderausstellungen wieder der Öffentlichkeit zugänglich und wird durch Schenkungen, Neuerwerbungen und weiteren Sanierungen sowie Rekonstruktion ständig erweitert.

GRASSI MUSEUM FÜR ANGEWANDTE KUNST


Interview mit Dr. Olaf Thormann
Direktor des Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig.
Sommer 2015

STIFTUNG MORITZBURG HALLE

Seit dem frühen 20. Jahrhundert ist das Städtische Museum für Kunst- und Kunstgewerbe in der Moritzburg ein Ort für zeitgenössische Kunst in Halle an der Saale. Tiefe Einschnitte in den bedeutenden Bestand mit wichtigen Positionen klassisch-moderner Kunst musste die Sammlung 1937 durch die Aktion „Entartete Kunst“ der Nationalsozialisten hinnehmen.

Nach 1945 gelang es bereits vereinzelt, Verluste und Lücken wieder aufzufüllen. Das Museum wurde Mitte der 1950er Jahre wieder zu einem bedeutenden Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst. Die heute Stiftung Moritzburg hat neben der Gemäldesammlung eine bedeutende Sammlung plastischer Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart, ein grafisches Kabinett, eine Fotografische Sammlung und herausragende kunsthandwerkliche Objekte.

Ausstellungsansicht Gemäldesammlung der Stiftung Moritzburg Halle
Blick zur Feininger Empore
Foto: Christian Seeling

STIFTUNG MORITZBURG HALLE

Seit Mitte der 1980er Jahre ist die Geschichte der Sammlung der klassischen Moderne und ihr Schicksal in der NS-Zeit ein Schwerpunkt der Forschung. Im Zentrum steht eine Serie mit Halle-Motiven des Bauhaus-Künstlers Lyonel Feininger, die er auf Einladung der Stadt in den Jahren 1930 und 1931 malte. Bis auf wenige Zeichnungen gingen dem Museum alle Werke 1937 verloren.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gelang in den Jahren 1948 und 1957 der Rückerwerb der beiden Gemälde "Marienkirche mit dem Pfeil" (1930) und "Der Dom zu Halle" (1930).

In den 1990er Jahren konnte ein Konvolut von „Naturnotizen“ und 2009 das verschollen geglaubte Gemälde „Rote Turm I“ (1930) mit externer Unterstützung angekauft werden.

STIFTUNG MORITZBURG HALLE

Interview mit Wolfgang Büche
Stellvertretender Direktor der Stiftung Moritzburg Halle
Sommer 2015

STAATLICHE KUNSTSAMMLUNGEN DRESDEN

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sind heute neben den Sammlungen in Berlin und München die umfangreichsten in Deutschland. Sie beruhen auf den Sammlungen der Sächsischen Kurfürsten und werden kontinuierlich erweitert.

Kurfürst August der Starke (1670–1733) verfolgte ein Konzept, die Sammlungen zu trennen, in musealen Räumen auszustellen und damit das Prinzip der Wunderkammer abzulösen. Mit dem Grünen Gewölbe begann 1723 die Verwirklichung eines seiner größten Projekte. Künstler und Architekten gestalteten den Westflügel des Residenzschlosses zu Ausstellungsräumen für die umfangreiche Schmuck- und Pretiosensammlung um, die einer ausgewählten Öffentlichkeit zugänglich war. August der Starke begründete mit dem Grünen Gewölbe eines der ältesten Museen in Europa.

Bei der Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg wurden die historischen Sammlungsräume stark beschädigt. Die Auslagerung der Sammlung seit Kriegsbeginn bewahrten die Stücke zwar vor der Vernichtung, sie wurden jedoch direkt nach Kriegsende in die Sowjetunion abtransportiert. Erst 1958 kehrten sie nach Dresden zurück und waren in Teilen im Albertinum ausgestellt. Der bereits 1986 begonnene Wiederaufbau des Residenzschlosses wurde nach der Wiedervereinigung 1990 weitergeführt mit dem Ziel, das Gesamtkunstwerk möglichst originaltreu zu inszenieren. 2004 ist der erste Teil der barocken Schatzkammer in das Neue Grüne Gewölbe zurückgekehrt; seit 2006 erstrahlt das Historische Grüne Gewölbe wieder im Glanz von 1733.

STAATLICHE KUNSTSAMMLUNGEN DRESDEN


An keinem anderen Ort des Residenzschlosses lässt sich die einstige Pracht des barocken Dresdens so authentisch erleben wie im Grünen Gewölbe. Auch wenn der Pretiosenssal zu den Bereichen gehört, die den Angriff im Februar 1945 relativ unbeschadet überstanden haben, waren umfangreiche restauratorische Maßnahmen notwendig. Insbesondere die Ergänzung fehlender Spiegel, die mit historischen Methoden wieder hergestellt werden mussten, stellte eine große Herausforderung dar.

Pretiosensaal, Historisches Grünes Gewölbe
Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Foto: Hans Christian Krass

STIFTUNG FÜRST-PÜCKLER-PARK BAD MUSKAU

Durch die Grenzziehung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs liegt der Landschaftsgarten, den Hermann Fürst von Pückler-Muskau zwischen 1815 und 1845 nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten im heutigen Bad Muskau bei Görlitz anlegte, auf deutschem und polnischem Gebiet gleichermaßen.

Der Landschaftspark und seine Gebäude, wie dem Alten und Neuen Schloss, Kavaliershaus und Orangerie hatten schon kurz nach dem Verkauf der Anlage weitereichende Veränderung erfahren. Die wichtigste davon ist der Umbau des Neuen Schlosses im Neorenaissancestil im Auftrag des Prinzen Wilhelm Friedrich Karl von Oranien-Nassau von 1863 bis 1866.

Fürst Pücklers umfangreiche Visionen des Schlossumbaus durch Karl Friedrich Schinkel und der Erweiterung des Landschaftsparks, blieben für Muskau unerfüllt.

STIFTUNG FÜRST-PÜCKLER-PARK BAD MUSKAU

Unmittelbar vor Ende des Zweiten Weltkriegs brannte das Neue Schloss aus und in Folge von Auslagerungen durch den letzten Eigentümer, den Grafen Arnim, sind in Muskau Kunstgegenstände nicht mehr überliefert.

Der deutsche Teil des Landschaftsparks wurde 1955 unter Denkmalschutz gestellt und Mitte der 1980er Jahre wurden Kooperationen zwischen deutschen und polnischen Denkmalpflegern geknüpft zum Erhalt der Parkanlage und Architekturen.

Mit der Gründung der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau wurde 1993 die Basis zur grundlegenden Sanierung und Wiederaufbau geschaffen. Nach einer Bauzeit von 18 Jahren wurde der letzte Teil des Schlosses 2013 der Öffentlichkeit übergeben.

„Ein Park muss wie eine Gemäldegalerie sein, alle paar Schritte soll man ein neues Bild sehen.“ Hermann Fürst von Pückler-Muskau

Film: kocmoc.net / Stiftung Fürst Pückler Park Bad Muskau

ENTWICKLUNG
Jede Epoche hat ihren eigenen Blick auf die Zeugnisse der Kunst- und Naturgeschichte. Deutungen, Veränderungen und Überformungen kultureller Artefakte hinterlassen Zeitschichten, die Sichtweisen und Geisteshaltungen vergangener Gesellschaften ebenso verkörpern, wie ihre ursprüngliche Entstehungsgeschichte. Die Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 eröffnete neue Impulse für gesamtdeutsche und internationale Zusammenarbeit.

DEUTSCHES HYGIENE-MUSEUM DRESDEN


"Wie sollen wir leben?" - über Jahrzehnte lieferte das "Deutsche Hygiene-Museum in der DDR" mit erhobenem Zeigefinger die erwartbaren Antworten eines staatlichen sozialistischen Instituts für Gesundheitserziehung.

„Wie wollen wir leben?“ wurde dagegen nach 1990 zur Leitfrage des 1912 gegründeten Dresdner Traditionshauses, mit der es sich als “Museum vom Menschen” neu erfand.

Ergebnis dieser mittlerweile 25-jährigen Suchbewegung ist ein ebenso anspruchsvolles wie populäres Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm des Deutschen Hygiene-Museums Dresden, das bundesweit und international Aufmerksamkeit erweckt.


Ausstellungsansicht der Dauerausstellung „Abenteuer Mensch“ mit dem berühmten Körpermodell "Der Gläserne Mensch"

DEUTSCHES HYGIENE-MUSEUM DRESDEN

Neben der Dauerausstellung „Abenteuer Mensch“ und dem Kinder-Museum „Unsere fünf Sinne“ behandeln interdisziplinär konzipierte Sonderausstellungen ein breites Spektrum aktueller Fragestellungen aus Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft vor dem Hintergrund ihrer komplexen historischen Tiefendimensionen.

Interview mit Prof. Klaus Vogel
Direktor des Deutschen Hygiene-Museums Dresden
Sommer 2015

DEUTSCHES MEERESMUSEUM
Ein Museum - vier Standorte

Das heutige Deutsche Meeresmuseum ging aus dem 1951 gegründeten städtischen Natur-Museum hervor, das sich in den 1960er Jahren zu einem Meereskunde und Fischereimuseum spezialisierte. Durch viel persönliches Engagement konnte eine umfangreiche Sammlung vielfältiger Arten der Tier- und Pflanzenwelt der Weltmeere gesammelt werden. Unter anderem wurde durch Tausch mit anderen Museen in der damaligen DDR die Sammlung mit Präparaten und anderen Zeugnissen der Meereswelt angereichert.

Schon in den 1980er Jahren war das Meeresmuseum eines der besucherstärksten Museen der DDR und knüpfte nach 1990 an diesen Erfolg an.

DEUTSCHES MEERESMUSEUM
Ein Museum - vier Standorte

Die heutige Struktur wird von der Stiftung Deutsches Meeresmuseum, Museum für Meereskunde und Fischerei ∙ Aquarium organisiert. Sie umfasst das Meeresmuseum im historischen Katharinenkloster und das 2008 neu errichtete und konzipierte Ozeaneum mit den zwei Schwerpunkten „Tropische Unterwasserwelt“ und „Kaltwasserwelt“.

Außerdem gibt es die zwei Außenstellen Natureum Darßer Ort (Naturwelt) und Nautineum Dänholm Stralsund (Fischereimuseum). Die Einrichtungen werden aus einem Team von Kuratoren, Meeresbiologen, Präparatoren und Pädagogen wirtschaftlich erfolgreich geführt und weiter entwickelt.

DEUTSCHES MEERESMUSEUM
Ein Museum - vier Standorte

DEUTSCHES MEERESMUSEUM
Ein Museum - vier Standorte

Im Ozeaneum befindet sich die europaweit größte Ausstellung zum Meer vor unserer Haustür - die Ostsee
Neben den Aquarien ist die Halle Riesen der Meere der Anziehungspunkt für Besucher im Ozeaneum.

Hier erleben sie Buckelwal, Pottwal, Blauwal und Orca in Originalgröße.

Das 2,6 Millionen Liter fassende Nordatlantikbecken im Ozeaneum ist nur durch Taucher zu reinigen und zu pflegen. Hier finden auch kommentierte Fütterungen der Schwarmfische, Haie und Rochen statt.

Das Modell einer Staatsqualle, einem Tiefseebewohner, wurde aus rund 12 Kilogramm fluorezierendem Glas aus mehr als 2.600 Einzelteilen naturgetreu nachgebildet.

Einen kleinen Ausschnitt der Artenvielfalt im Meer zeigen 65 Präparate von Krebstieren, Stachelhäutern und Fischen bis hin zu Bakterien.

BACH - MUSEUM / BACH - ARCHIV

Seit seiner Gründung im Jahr 1950 ist das Bach-Archiv ein Zentrum der Forschung, Bewahrung und Vermittlung des Lebens und der Werke Johann Sebastian Bachs (1685–1750) sowie seiner Familie. Zentraler Schwerpunkt des Archivs ist die Edition der musikalischen Werke und Erschließung von Dokumenten und Handschriften, in Kooperation mit internationalen Institutionen.

Neben der interaktiven Dauerausstellung mit seltenen originalen Objekten aus dem Lebensumfeld der Familie Bach im historischen Bosehaus am Thomaskirchhof, wird das musikalisch-kulturelle Leben der Stadt mit regelmäßigen Konzerten und dem einmal jährlich stattfinden Bachfest bereichert.

Das Bach-Archiv sammelt, verzeichnet und erschließt mit dem Ziel der Vollständigkeit die schriftlichen Materialien zu Johann Sebastian Bach und seinem Umkreis. Als Forschungsinstitut ist das Bach-Archiv sowohl ein Ort wissenschaftlicher Arbeit als auch der Vermittlung an die Öffentlichkeit.

BACH-MUSEUM / BACH-ARCHIV

BACH DIGITAL

Nach 1990 und mit fortschreitender Technik wurde das Datenbankportal Bach Digital ins Leben gerufen, das Bachforschern, praktizierenden Musikern und musikinteressierten Laien auf der ganzen Welt wissenschaftlich fundierte Informationen zu den Werken Johann Sebastian Bachs und anderen Komponisten der Bachfamilie bietet.

Diese Informationen werden möglichst mit Digitalisaten der beschriebenen Quellen versehen. Bereits 90 % der eigenhändigen Niederschriften Johann Sebastian Bachs wurden als Scans in der Datenbank zur Verfügung gestellt.

Interview mit Prof. Dr. Peter Wollny
Direktor am Bach-Archiv Leipzig
Sommer 2015.

Orgelspieltisch aus der Leipziger Johanniskirche
erbaut von Johann Scheibe, 1743
umgebaut von Paul de Wit, um 1900
restauriert 2009
Grassi Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig

Der Orgelspieltisch aus der Leipziger Johanniskirche ist das letzte Relikt einer „Bach-Orgel“ in Leipzig und daher ein besonderes Exponat.

Johann Sebastian Bach hatte die Orgel 1743 begutachtet. Im Jahr 1900 erwarb der Instrumentensammler Paul de Wit das inzwischen mehrfach veränderte Instrument und stellte den Orgelspieltisch in seinem musikhistorischen Museum aus, das er 1893 im heutigen Bach-Museum eröffnet hatte.

Seit 1926 gehört der Spieltisch dem Grassi Museum für Musikinstrumente, ebenfalls Mitglied der Konferenz Nationaler Kultureinrichtungen.

Gemeinsam haben das Grassi Museum für Musikinstrumente und das Bach-Archiv Leipzig den Spieltisch 2009 umfassend restaurieren lassen. Seitdem ist er als Dauerleihgabe im Bach-Museum Leipzig zu sehen.

MUSEUM DER BILDENDEN KÜNSTE LEIPZIG

Das Museum der bildenden Künste in Leipzig blickt auf eine über 150-jährige Geschichte bürgerlichen Engagements, aber auch auf eine bewegte Institutionsgeschichte zurück. Dank bedeutender Schenkungen im ausgehenden 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich in der reichen Messestadt eines der bedeutendsten Bürgermuseen Deutschlands. Durch einen Luftangriff auf Leipzig 1943 wurde der Museumsbau am Augustplatz zerstört.

Nach 1945 konnte die Sammlung in wechselnden Gebäuden wieder ausgestellt werden. Aus der letzten Zwischenlösung im „Handelshof“ zog das Museum 2004 aus und in das neu errichtete Gebäude in der Leipziger Innenstadt ein – es ist der erste umfassende Bau eines Kunstmuseums in Ostdeutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

MUSEUM DER BILDENDEN KÜNSTE LEIPZIG

Interview mit Dr. Hans-Werner Schmidt
Direktor des Museums der bildenden Künste Leipzig
Sommer 2015.

MUSEUM DER BILDENDEN KÜNSTE LEIPZIG

Ein bedeutendes Konvolut der Sammlungen bilden Plastiken und Skulpturen, Gemälde und Grafiken von Max Klinger. Eines seiner berühmtesten Werke „Beethoven“ fand nach einigen Standortplanungen 1903 in dem von Klinger selbst projektierten Anbau des Leipziger Museums seinen Platz.

Weitgehend unbeschadet überstand das Werk eingemauert den Bombenangriff auf Leipzig. Ab 1982 war es in einem Foyer des Leipziger Gewandhauses ausgestellt. Erst mit dem Museumsneubau fand die wechselvolle Aufstellungsgeschichte für Klingers „Beethoven“ in einem eigenen Ausstellungssaal eine Vollendung.


Max Klinger
Beethoven, 1902
verschiedenes farbiges Gestein und Bronze mit Glas-, Metall-, Elfenbein- und Edelsteineinlagen
H 310 cm
Foto: PUNCTUM / Bertram Kober

GRASSI MUSEUM FÜR MUSIKINSTRUMENTE

Einer der drei weltweit noch existierenden in seiner Originalform erhaltenen Hammerflügel und ein dazu gehörendes Cembalo (beide 1726 erbaut) aus der Werkstatt des Florentiner Instrumentenbauers Bartolomeo Cristofori zählen zu den wertvollsten Stücken des Museums für Musikinstrumente der Universität Leipzig.

Von den zehn weltweit erhaltenen Instrumenten Cristoforis befinden sich sechs in der Leipziger Sammlung, die seit der baulichen Rekonstruktion des Grassimuseums wieder der Öffentlichkeit in einer Dauerausstellung zugänglich ist.

Klangbeispiel: Hammerflügel von Cristofori - Sonata IV. e-Moll (Presto)

GRASSI MUSEUM FÜR MUSIKINSTRUMENTE

Christofori gilt als der Erfinder der Hammerflügeltechnik, die bis heute in den Grundprinzipien auch moderne Instrumente bestimmt.

Das äußere Erscheinungsbild der Instrumente im Leipziger Museum wird von ihren Aufbewahrungskästen geprägt. Sie erhielten eine Fassung in leuchtendem Zinnoberrot, wurden lackiert und mit Chinoiserie-Motiven reich dekoriert. Von innen sind die Kästen in hellem Blau gefasst. Vermutlich waren die Instrumente Teil eines heute nicht mehr nachweisbaren italienischen Palazzo.

Im Rahmen eines Forschungsprojektes wurde von der Restauratorin Kerstin Schwarz-Damm eine exakte Kopie des Hammerflügels von 1726 angefertigt und eine zweite Kopie im Auftrag des Leipziger Museums für Musikinstrumente fertiggestellt.

In regelmäßig stattfindenden Konzerten bringt diese Kopie auch die Klangwelt des historischen Flügels den Besuchern nahe und begleitet die museale Präsentation der Objekte.

GRASSI MUSEUM FÜR MUSIKINSTRUMENTE


Interview mit Kerstin Schwarz-Damm
Freie Restauratorin für Musikinstrumente über die Kopie des Leipziger Cristofori-Flügels
Sommer 2015

FÜRST PÜCKLER-MUSEUM PARK UND SCHLOSS BRANITZ

Hermann Ludwig Heinrich Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871) legte nach dem Verkauf seiner Standesherrschaft Muskau 1845 in Branitz ein Schloss und weitreichende Parkanlagen nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten an, die heute zu den bedeutendsten Zeugnissen der Gartenkunst zählen. Hier gab er seinen ästhetischen Visionen Gestalt, die er auf seinen ausgedehnten Europareisen, inbesondere nach England, sammelte.

Die heutige Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz bei Cottbus konzentriert sich neben der Restaurierung und Pflege der Anlagen auf Pücklers literarisches und gestalterisches Werk sowie dem Ausbau des wissenschaftlich-kulturellen Zentrums im Bereich Gartenkunst, Reiseliteratur und Landschaftsmalerei im 19. Jahrhundert.

FÜRST PÜCKLER-MUSEUM PARK UND SCHLOSS BRANITZ


In den Jahren von 1850 bis 1870 ließ Fürst Pückler im Innern des Schlosses erhebliche Umbauten vornehmen. In dieser Zeit entstand auch das Bibliothekszimmer. Johann Alexander Graf von Callenberg, Fürst Pückler selbst und auch die nachfolgenden Grafen von Pückler vermehrten die Büchersammlung.

Der Bestand der historisch gewachsenen Universalbibliothek wurde 1945 in mehrere Teile zerrissen, nur wenige Bücher verblieben im Schloss Branitz. Ein größerer Teil ging kriegsbedingt verloren. Heute umfasst die Bibliothek ca. 4.200 Bände, die im Zeitraum von 1994 bis 2005 nach Branitz zurückgeholt werden konnten. Schwerpunkte bilden die Bereiche Reise- und Gartenliteratur, Geschichte, Philosophie, Militärgeschichte und die Naturwissenschaften.

Mitte der 1990er Jahre wurde durch eine Kooperation mit der Jagiellonen Bibliothek der Universität Krakau und der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz die Mikroverfilmung von handschriftlichen Beständen aus der Varnhagen-Sammlung begonnen.

Seit 1999 verfügt die Stiftung in Branitz die Privatkorrespondenz des Schriftstellers, Reisenden und Parkgestalters Hermann Fürst von Pückler-Muskau in Form von ca. 80.000 Fotos. Das Editionsportal www.pueckler-digital.de stellt erschlossene und digitalisierte Archivmaterialien mit Metadaten, Grundtranskriptionen und Digitalisaten von Autographen zur Verfügung.

FÜRST PÜCKLER-MUSEUM PARK UND SCHLOSS BRANITZ

Film: Der Tumulus - Die Restaurierung

WANDEL
Die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 sind in der Kulturgeschichte Ostdeutschlands nur eine Zäsur unter vielen. Mit Blick auf die reichen und bedeutenden Sammlungsbestände und ihre Geschichte zeigen sich Museen, Archive und Stiftungen von Mecklenburg-Vorpommern bis Thüringen als gültige Vermittlungsorte einer lebendigen Kulturlandschaft im kontinuierlichen Wandel.

STIFTUNG BAUHAUS DESSAU

Als Stiftung Bauhaus Dessau 1994 gegründet, ist diese Einrichtung nicht nur eine Forschungsstätte des klassisch modernen Erbes des historischen Staatlichen Bauhaus, sondern auch eine lebendige Vermittlungsinstitution für gestalterische Problemstellungen der Gegenwart. Internationale Bedeutung haben das original erhaltene Bauhausgebäude und die Meisterhaussiedlung nach Entwürfen von Walter Gropius erlangt.

Denkmalpflegerische Zielsetzung der Stiftung ist die Wiederherstellung ursprünglicher gestalterischer Einheiten. Darunter zählt auch die Rekonstruktion des Direktorenzimmers nach Entwürfen von Walter Gropius aus dem Jahr 1923.


STIFTUNG BAUHAUS DESSAU

Erst in den 1980er Jahren konnte die Lage des Raumes im Gebäude, das nach 1933 von verschiedenen Institutionen genutzt wurde, identifiziert und 1988 von Um- und Einbauten befreit werden. Nach 1990 erfolgte eine intensive Untersuchung des Raumes. Anhand der Farbbefunde, Reste von Tapeten und dem Bodenbelag konnte unter Einbeziehung historischer Fotografien und Entwurfszeichnungen das Zimmer in seinem Zustand um 1926 rekonstruiert worden.

Das Direktorenzimmer im Bauhausgebäude Dessau
Rekonstruktion des Zustands um 1926
Entwurf: Walter Gropius (Architektur / Möbel) und Hinnerk Scheper (Farbgestaltung) Bauhaus Weimar, 1923
Foto: Stiftung Bauhaus Dessau / Wolfgang Thöner

STIFTUNG BAUHAUS DESSAU

Interview mit Wolfgang Thöner
Leiter des Bereiches Sammlung
Sommer 2015

KUNSTSAMMLUNGEN CHEMNITZ


Am 12. September 1996 erhielten wir von Prof. Dr. Dietrich Schubert, Universität Heidelberg, den Hinweis, dass die 1937 als „entartet“ aus den Kunstsammlungen Chemnitz entfernte Skulptur „Kopf eines Denkers“ von Wilhelm Lehmbruch aus New Yorker Privatbesitz zur Auktion bei Christie’s in London kommen würde. Die Aussicht, ein Hauptwerk dieses bedeutenden deutschen Bildhauers wieder zu bekommen, versetzte uns in helle Aufregung.

1923, als die Skulptur aus dem Besitz der Witwe Anita Lehmbruck erstmals erworben wurde, gehörten Sachsen und besonders auch Chemnitz zu den wohlhabendsten Regionen Deutschlands mit erfolgreichen, international operierenden Unternehmen, die einen ausgeprägten Sinn für Kultur hatten. Ein großzügiger Mäzen stellte damals die vollständige Ankaufsumme von 80.000 Mark zur Verfügung.

KUNSTSAMMLUNGEN CHEMNITZ


Heutzutage ist die Lage ganz allgemein und besonders für ein Museum, das keinen Ankaufsetat hat, erheblich schwieriger. Daher erschien der Rückkauf zunächst aussichtslos. Hinzu kam, dass der Zeitraum für die Beschaffung der finanziellen Mittel nur etwas mehr als drei Wochen betrug.

Mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, des Freistaates Sachsen, der Ernst von Siemens-Stiftung München, der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Sparkasse Chemnitz und vieler anderer konnten wir die für uns so bedeutende Skulptur zurückerwerben. Dieser beinah einmalige Akt der spontanen Hilfsbereitschaft vieler Beteiligter in Ost und West war für uns eines der Highlights in den letzten 25 Jahren.


Dr. phil. h.c. Ingrid Mössinger
Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz

SENCKENBERG GESELLSCHAFT FÜR NATURFORSCHUNG (SGN)

Die zur Stiftung Senckenberg zählenden Naturhistorischen Sammlungen Dresden gehören zu den ältesten naturkundlichen Museen der Welt. In Sonderausstellungen sind ihre Schätze im Japanischen Palais Dresden zu sehen.

Ihre Wurzeln liegen in der Kunst- und Naturalienkammer des Kurfürsten August von Sachsen (1526–1586) und umfassen heute über sechs Millionen Objekte aus der belebten und unbelebten Natur. Die Sammlungen stellen bis heutig für die Forschung geologischer und biologischer Entwicklungsgeschichte bedeutendes Quellenmaterial dar.

Eine der zentralen Aufgaben der heutigen Zeit ist die Biodiversitäts- und Klimaforschung. Zum Begreifen der Beziehungen in der Natur und für den aktiven Schutz bedrohter Tierarten haben die naturhistorischen Sammlungen in Dresden internationale Bedeutung.

SENCKENBERG GESELLSCHAFT FÜR NATURFORSCHUNG (SGN)

Interview mit Dr. Martin Päckert
Ornithologe im Museum für Tierkunde
Sommer 2015

SENCKENBERG GESELLSCHAFT FÜR NATURFORSCHUNG (SGN)

Ein selbständiges naturhistorisches Spezialmuseum bestand in Dresden bereits seit 1726 in der Zeit August des Starken, der die naturkundliche Sammlung im Zwinger unterbringen ließ. Mit Heinrich Gottlieb Ludwig Reichenbach (1793-1879) konzentrierte sich die wissenschaftliche Arbeit und mit Adolf Bernhard Meyer (1840-1911) zog ein neues Evolutionsdenken ein – Schau- und Studiensammlungen wurden getrennt und neuartige Präparationsmethoden erarbeitet.

Meyer unternahm einige Reisen in die indo-australische Inselwelt und sammelte – wie für damalige Expeditionen dieser Art üblich – Vogelkörper. Er konzentrierte sich zudem auf die Entdeckung und Erforschung von Paradiesvogelarten Neuguineas und beschrieb 13 Formen als neu für die Wissenschaft, darunter der König-Wilhelm-Paradiesvogel aus dem Nordwesten Neuguineas. Erst Meyers Nachfolger hatten seine Beschreibungen korrigieren können.

Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden

HÄNDEL-HAUS

Seit 1937 ist das Geburtshaus von Georg Friedrich Händel (1685–1759) im Besitz der Stadt Halle an der Saale. Erst 1948 wurde es als Museum und Forschungsstätte
für die Kompositionen Händels und die Rezeptionsgeschichte der historischen Persönlichkeit eröffnet und kontinuierlich erweitert. Das Haus selbst ist sowohl ein authentischer Erinnerungsort, der das private Leben des Kosmopoliten und seiner Zeit in Halle widerspiegelt, als auch Museum mit einer Dauerausstellung, die eine Auswahl der kostbaren Instrumenten-Sammlung zeigt.

Seit der Museumsgründung zählt die Quellenforschung und Editionstätigkeit zu einem der Schwerpunkte der wissenschaftlichen Arbeit des Händel-Hauses und der Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft. Neben Händels musikalischem Vermächtnis gilt das Interesse ebenso den Konstanten und Wandlungen des Händel-Bildes wie der Praxis der musikalischen und kulturellen Händelpflege.

Interview mit Christiane Barth
Museumsleiterin im Händel-Haus
und Clemens Birnbaum
Direktor der Stiftung Händel-Haus
Sommer 2015

HÄNDEL-HAUS


Entdeckung 2014

Das Porträt stellt mit hoher Wahrscheinlichkeit den Komponisten Georg Friedrich Händel dar. Ein direkter Vergleich mit anderen, als authentisch gesicherten Händel-Porträts zeigt große Ähnlichkeit, wie auch Händel-Ikonograph Dr. Edwin Werner bestätigt. Die Stiftung Händel-Haus hat das Gemälde im November 2014 beim Londoner Auktionshaus Sotheby’s ersteigert. So befinden sich nun neben 118 bildlichen Darstellungen Georg Friedrich Händels insgesamt fünf Händel-Gemälde in der Sammlung der Stiftung.

Das Gemälde war seit 1908 im Besitz von Georg Alfred Schumann (1866-1952), Direktor der Sing-Akademie zu Berlin. Der vorhergehende Besitzer Hermann Held (1836-1914) aus Magdeburg, königlicher Hofgraveur und Mitglied des Ausschusses des Magdeburger Museums, hatte es um 1888 in einem Magdeburger Trödelladen entdeckt. Davor verlieren sich die Spuren der Provenienz.

LUTHERGEDENKSTÄTTEN IN SACHSEN-ANHALT
Lutherhaus, Lutherstadt Wittenberg

Zu den frühesten Museen in Deutschland, die dem Leben und Wirken einer Persönlichkeit gewidmet sind, gehören die Gedenkstätten zur Erinnerung an den Reformator Martin Luther (1483-1546). Die Museen in Wittenberg, Eisleben und Mannsfeld sind als Personengedenkstätten auch selbst Kulturartefakte.

Die Herausforderung der Pflege und Erhaltung der Stiftung Luthergedenkstätten besteht darin, Zeitschichten zu identifizieren und die Orte als im kontinuierlichen Wandel befindliche Zeugnisse der Luther- und Reformationsrezeption zu präsentieren. Das gelingt in dem Zusammenspiel authentischer, sorgfältig restaurierter Stätten und begleitenden musealen Präsentationen.

LUTHERGEDENKSTÄTTEN IN SACHSEN-ANHALT

Interview mit Dr. Daniel Leis
in Luthers Geburtshaus, Eisleben
Sommer 2015

LUTHERGEDENKSTÄTTEN IN SACHSEN-ANHALT

Luthers Geburtshaus, Eisleben

Bereits 1693 wurde das Geburtshaus Martin Luthers in Eisleben als Museum eingerichtet.

Ende des 19. Jahrhunderts sind das Sterbehaus in Eisleben und das Gebäude des Augustinerklosters in Wittenberg, in dem Luther mit seiner Familie lebte, ebenfalls als Museum eröffnet worden.

Alle drei Luthergedenkstätten wurden auch während der DDR-Zeit fortgeführt und fanden 1997 unter Einbeziehung des restaurierten Melanchthon-Hauses in Wittenberg in der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt zusammen. 2014 wurde auch das sanierte und als Museum eingerichtete Elternhaus Luthers in Mansfeld eröffnet.

WARTBURG-STIFTUNG (EISENACH)

Mehrmals wurde auf der Wartburg bei Eisenach deutsche Kultur und Geschichte geschrieben: die Minnesänger des Mittelalters, die Caritas der Heiligen Elisabeth, Martin Luthers Zuflucht und Bibelübersetzung und das Wartburgfest der Jenaer Studenten.

Die Wartburg ist damit nicht nur ein Denkmal der feudalen Epoche in Mitteleuropa sondern auch ein Ort erlebbarer Geschichtsreflexion über Jahrhunderte hinweg.

Die Lutherstube auf der Wartburg


In der Lutherstube hat Martin Luther vom 4. Mai 1521 bis zum 1. März 1522 gelebt und gearbeitet. Nachdem er zahlreiche reformatorische Schriften verfasst, sogar einen Zwischenbesuch in Wittenberg gewagt hatte, bewältigte er hier ab Mitte Dezember in nur zehn Wochen die Übersetzung des Neuen Testaments.

WARTBURG-STIFTUNG (EISENACH)

Die Stiftung Wartburg verfügt neben den teilweise aus dem späten Mittelalter erhaltenen Räumen und Gebäuden auch über eine umfangreiche Kunstsammlung und Bibliothek. Dazu zählt die sogenannte Wartburg-Bibel von 1514 des Druckers Hans Lufft, der die erste Lutherische Vollbibel herausgegeben hatte. Das Titelblatt besitzt eine Umrahmung von Lucas Cranach d. Ä. zum Thema Gesetz und Gnade.

Sogenannte Wartburg-Bibel
das ist:/ Die gantze Heilige Schrifft: Deudsch/ Auffs New zugericht./ D. Mart. Luth./ Begnadetmit Kür-/ fürstlicher zu Sachsen Freiheit. Gedrückt zu Wittenberg, durch Hans Lufft./ M.D.X L l

WARTBURG-STIFTUNG (EISENACH)

Der ideelle Wert dieser Bibel liegt vor allem in den handschriftlichen Bemerkungen und Eintragungen Luthers und einiger seiner Mitstreiter, die offensichtlich als Korrekturen und Veränderungen für die nächsten Auflagen eingearbeitet wurden.


WARTBURG-STIFTUNG (EISENACH)


Von dem Porträtpaar, den sogenannten Hochzeitsbildern Martin Luthers und Katharinas von Bora existieren mehr als zwölf ähnliche Exemplare, wobei die in der Wartburgsammlung befindlichen das kleinste bekannte Format besitzen. Luthers Porträt ist mit der Schlange und der Jahreszahl 1526 bezeichnet. Die Häufigkeit weist auf eine mit technischer Perfektion betriebene Serienfertigung in der Cranach-Werkstatt hin.

Obwohl ein Bildnispaar, sind die Bildausschnitte nicht völlig aufeinander bezogen. Das könnte bedeuten, dass Luthers Porträt schon früher entstand. Katharinas Oberkörper wirkt gestaucht; offenbar wurde darauf Wert gelegt, ihre Hand mit dem Ehering zu zeigen. Die Nachfrage nach Bildnissen Luthers und seiner Frau dürfte groß gewesen sein, galten sie doch als Idealbild der Ehegemeinschaft.

Lucas Cranach d. Ä.
Bildnis Martin Luthers, 1526
Bildnis Katharina Luthers, 1526

WARTBURG-STIFTUNG (EISENACH)

Bereits 1922 ist die Anlage durch die Wartburg-Stiftung Eisenach organisiert und bestand auch in der DDR-Zeit in diesem Sinne fort. Nach 1990 wurde die Stiftung als eigenständiger Träger weitergeführt, und es folgten Bau-, Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen. Seit 1999 zählt die Anlage zu den Stätten des UNESCO Weltkulturerbes.

Interview mit Günter Schuchardt
Burghauptmann der Wartburg-Stiftung Eisenach
Sommer 2015

WARTBURG-STIFTUNG (EISENACH)

Einzelne Gebäudeteile und Innenräume der mittelalterlichen Burganlage aus dem 12. bis 14. Jahrhundert mit romanischer Kapitell-Ornamentik wurden in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar im historistischen Stil überformt. Der Gemäldezyklus von Moritz von Schwind, der Szenen aus der Thüringer Geschichte aufgreift, entstand in seinem Auftrag, der Festsaal wurde mit historistischer Ornamentik ausgestattet und auch Bereiche der Wartburg für den Aufenthalt des Großherzogs umgebaut.

FRANCKESCHE STIFTUNGEN ZU HALLE

Das historische Waisenhaus mit der Kunst- und Naturalienkammer in Halle an der Saale ist der älteste bürgerliche Museumsraum in Deutschland. Das Haus gehört zu dem Gebäudeensemble der Franckeschen Stiftungen, die 1698 von dem lutherischen Theologen und Pädagogen August Hermann Francke (1663-1727) gegründet wurde. Es bildet heute das kulturelle Zentrum der 1992 wiedergegründeten Franckeschen Stiftungen.

Neben einer Dauerausstellung und der historischen Bibliothek ist hier die einzige vollständige Kunst- und Naturalienkammer erhalten, die einen umfassenden Einblick in den Wissenskosmos des Barock und die Schulmethoden des Realienunterrichts August Hermann Franckes geben.

Im Zuge der Sanierung des historischen Weisenhauses und der Aufbauarbeiten einer Dauerausstellung Anfang der 1990er Jahre ergab sich die Chance, die Einzelteile der Naturaliensammlung wieder zusammen zu führen, die im Verborgenen aufbewahrt wurden. Nach Restaurierung des original erhaltenen Mobiliars und der Einzelteile der Sammlung sowie der detaillierten Forschung ist die Kammer heute der Öffentlichkeit wieder zugänglich und stellt als Ensemble die einzige erhaltene Wunderkammer der Barockzeit dar.

FRANCKESCHE STIFTUNGEN ZU HALLE


Interview mit Dr. Thomas Müller-Bahlke
Direktor der Franckeschen Stiftungen in Halle an der Saale
Sommer 2015

KLASSIK STIFTUNG WEIMAR

Das Goethe-Nationalmuseum mit Goethes Wohnhaus und Garten am Weimarer Frauenplan ist das museale Herzstück der heutigen Klassik Stiftung Weimar. Als Gedenkstätte und Museum von Goethes Sammlungen kunst- und naturwissenschaftlicher Objekte sowie Manuskripte und Bibliothek wurde das Haus 1885 der Öffentlichkeit nach Rekonstruktion des Zustandes nach dem Tod des Dichters 1832 zugänglich gemacht.

Der Enkel Walter von Goethe hatte dem Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach alle Liegenschaften und Sammlungen testamentarisch überlassen, die in Form einer Stiftung die Basis für das heutige Ensemble Goethe-Nationalmuseum bildet.

Die museale Präsentation von Goethes Wohnhaus beruht auf der kontinuierlichen Pflege der Weimarer Lebensumgebung des Dichters und ist ein authentisches Zeugnisses bürgerlicher Wohnkultur des frühen 19. Jahrhunderts. Die Ausstellung des Goethe-Museums, das in dem 1935 errichteten Erweiterungsbau eingerichtet ist, spiegelt dagegen den kontinuierlichen Rezeptionswandel des Werks aber auch das steigende Interesse an der realen Persönlichkeit Goethes wider.

Die aktuelle Dauerausstellung „Lebensfluten – Tatensturm“ des Museums verdeutlicht das an originalen Exponaten, darunter auch ein Reisemantel, der aus dem persönlichen Besitz des Dichters stammt.

KLASSIK STIFTUNG WEIMAR


Mit diesem „grauen Tuchmantel“ war Goethe auf seinen Reisen angemessen gekleidet. Im Schnitt entspricht der Mantel dem englischen Carrick, der nach 1800 in der Herren- und Damenmode auf dem Kontinent modern wurde und in Deutschland auch als Blüchermantel bekannt geworden ist. Diese Bezeichnung geht auf den preußischen Feldmarschall zurück, den auch Goethe nach dessen Sieg in der Schlacht von Waterloo sehr verehrte.

KLASSIK STIFTUNG WEIMAR

Interview mit Dr. Kristin Knebel
Kunsthistorikerin und Persönliche Referentin des Generaldirektors der Museen der Klassik Stiftung Weimar
Sommer 2015

Sämtliche Tauwerke der königlichen Flotte, vom stärksten bis zum schwächsten, sind dergestalt gesponnen, daß ein roter Faden durch das Ganze durchgeht, den man nicht herauswinden kann, ohne alles aufzulösen, und woran auch die kleinsten Stücke kenntlich sind, daß sie der Krone gehören.

Johann Wolfgang von Goethe, Die Wahlverwandtschaften

Als Marie Wilhelmine Albers, Gattin des Bremer Arztes Johann Abraham Albers, nach ihrer Lektüre des Romans „Die Wahlverwandtschaften“ dem Schotten John Forbes, der bei der Royal Navy tätig war, das Gleichnis des Roten Fadens erzählte, ließ dieser den Eheleuten ein Stück jenes Taues zukommen, das Goethe in seinem Roman beschreibt. Albers, der im wissenschaftlichen Austausch mit Goethe stand, übersandte es 1814 in einem Glas nach Weimar. Es überdauerte die Jahrzehnte in Goethes Sammlung und wurde 2008 für eine Ausstellung wieder entdeckt, die in einer Zusammenarbeit der Universität Jena und der Klassik Stiftung Weimar zu Goethes Wahlverwandtschaften entstand.

Einem roten Faden gleich durchziehen die Wenden und Wandlungen der Geschichte die Kulturlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen. Von der "stärksten bis zum schwächsten“ finden sie ihren Widerhall in Museen, Sammlungen und Archiven. Die Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 öffnete als gesellschaftliche und politische Wende nicht nur Grenzen, sondern bot auch kulturelle Chancen, mit weitreichenden Konsequenzen für die Kultur.

Conference of National Cultural Institutions
Credits: Exhibit


An exhibition by the Conference of National Cultural Institutions (KNK). Further information about this exhibition is available here: http://konferenz-kultur.de

Curator: Ulrike Pennewitz
Video / Realisation: Christian Seeling
Project coordination / Data integration / Design: Alexander Zeisberg for the Conference of National Cultural Institutions.

Virtual tours: Google Cultural Institute

Many thanks to all of the employees at KNK institutions and to the Google Cultural Institute as a partner.
Sponsored by the Commissioner of the Federal Government for Culture and Media.
October 3, 2015

Credits: All media
The exhibit featured may in some cases have been created by an independent third party and may not always represent the views of the institutions, listed below, who have supplied the content.